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Während in Frankreich die jüngeren Vertreter der schönen Literatur die ersten waren, die stärkeres Interesse für die Psychoanalyse bekundet haben, scheint die ältere Generation von Schriftstellern ihr nach wie vor ablehnend gegenüberzustehen, mag sich auch bei ihnen der Einfluß der Tiefenpsychologie Freuds in der Wahl der Stoffe, Technik usw. uneingestanden geltend machen. Der bekannte Sittenschilderer und Romanschreiber Marcel Prévost liefert in seinem jüngsten Werk „L'hommevierge” (Der jungfräuliche Mann) einen so schlagenden Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung, daß es sich wohl verlohnt, etwas näher auf den Inhalt dieses Buches einzugehen.
Der Roman zerfällt in drei Teile, die betitelt sind: „Hervé oder der Schuldige”, „Sidonie oder die Gefangene” und „Arnal oder der Richter”. Die ersten beiden Stücke sind in die Form eines schriftlichen Geständnisses gebracht, der dritte Teil stellt Aufzeichnungen aus einem Tagebuche dar. In allen drei Kapiteln setzt sich das Gewissen der betreffenden Personen mit dem Drama, das zwischen ihnen spielt, auseinander. Schauplatz ist ein Schloß in der französischen Provinz; Hervé comte de la Gatère heißt der Schloßherr, ein schöner, trotz des calvinischen Glaubens den Genüssen des Lebens eifrig zugewandter Mann, in denen er vor allem Abhilfe gegen die ihn umschleichende Langeweile sucht. Von einer Neurose, die ihn nach dem Tode seiner Eltern befällt, befreit er sich durch die Heirat mit einem jungen adeligen Mädchen. Marie-Angélique schenkt ihm einen Sohn, der Arnal getauft wird; nach der schwierigen Entbindung erkrankt sie und bleibt fortan schwächlich und schonungsbedürftig. Einige Zeit später findet der inzwischen verwitwete und verarmte Bruder, richtiger Halbbruder der Gräfin, Jean-Louis, gastliche Aufnahme bei dem Ehepaar;