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Von einer „psychoanalytischen Bewegung” in der Sowjetunion kann, wenn man darunter dasselbe wie in Westeuropa und in den Vereinigten Staaten versteht, nicht gesprochen werden. Es gibt zwar in Moskau eine Vereinigung, die die Psychoanalyse vertritt und regelmäßig Sitzungen von hohem wissenschaftlichen Niveau abhält, aber es gibt nur wenige Ärzte, die die psychoanalytische Praxis ausüben. Und der erste Eindruck, den man sonst in der Sowjetunion gewinnt, ist der der Ablehnung. Im Jahre 1925 hat zwar der Volkskommissär für Gesundheitswesen, Semaschko, bei einer Diskussion zur Sexualfrage das Unbewußte beschrieben und die Sublimierungstheorie öffentlich vertreten. Aber viele einflußreiche offizielle Persönlichkeiten sind gegen die Psychoanalyse, andere, etwa Bucharin und Radek interessieren sich für sie, ohne besonders dafür einzutreten. In gewissen Zeitabständen gibt es immer wieder lebhafte Diskussionen darüber, ob die Psychoanalyse anerkannt werden kann oder nicht. Die Gegner lehnen sie mit der Begründung ab, sie sei eine idealistische Disziplin. In den Jahren 1922 und