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Die folgenden Bemerkungen werden zweierlei enthalten: eine Diskussion der Deutung, welche Freud für einen besonderen Fall eines „religiösen Erlebnisses” bietet, um die Würdigung der allgemeineren, religionspsychologischen Bedeutung dieses kleinen Beitrages.1
Zunächst sei hervorgehoben, daß das Material, auf das sich jene Deutung bezieht, ein außerordentlich dürftiges ist: es besteht aus einer kurzen brieflichen Mitteilung. Der Tatbestand ist folgender: die Zuschrift eines amerikanischen Arztes an Freud, der in einem Interview seine Gleichgültigkeit gegen ein Fortleben nach dem Tode bekannte, berichtet von einem religiösen Erlebnis, das mitgeteilt wird, um den Ungläubigen dem Glauben näherzubringen. Der Arzt erzählt, daß er als Student von der Leiche einer alten Frau mit einem lieben, entzückenden Gesicht einen tiefen Eindruck erhalten habe, der für seine religiöse Anschauung bestimmend wurde. Als er diesen Leichnam auf dem Seziertische sah, sei in ihm der Gedanke aufgeblitzt: Nein, es gibt keinen Gott; wenn es einen Gott gäbe, würde er es nie gestattet haben, daß eine so liebe alte Frau in den Seziersaal kommt. An diesem Nachmittag habe er, dem die Lehren des Christentums schon vorher ein Gegenstand des Zweifels gewesen seien, beschlossen, nicht wieder in die Kirche zu gehen. Eine innere Stimme habe ihn gemahnt, seinen Entschluß noch reiflich zu überlegen. Sein Geist aber habe seiner inneren Stimme geantwortet: Wenn ich die Gewißheit bekomme, daß die christliche Lehre wahr und die Bibel das Wort Gottes ist, dann würde ich es annehmen. Im Verlaufe der nächsten Tage habe es Gott nun seiner Seele klar gemacht, daß die Bibel Gottes Wort ist, daß alles, was über Jesus Christus gelehrt wird, wahr ist und daß Jesus unsere einzige Hoffnung ist: „Nach dieser so klaren Offenbarung nahm ich die Bibel als das Wort