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Im Anschluß an den hier vorangegangenen Aufsatz von Prof. Berendsohn, der im Zusammenhang mit dem Hamsunproblem auch auf die prinzipiellen Fragen der Berührung zwischen Psychoanalyse und Literaturwissenschaft hinweist, wird es den Leser interessieren zu erfahren, daß dieser wissenschaftstheoretisch-methodologische Gegenstand vor kurzem auch in einem akademischen Vortrag erörtert worden ist. „Psychoanalyse und Literaturwissenschaft” betitelte Dr. Walter Muschg seine vor einigen Wochen abgehaltene Antrittsvorlesung als Privatdozent der Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Einige Hauptgedanken dieser Antrittsvorlesung wollen wir hier auf Grund eines ausführlichen Berichtes im Feuilleton der „Neuen Zürcher Zeitung” wiedergeben.
Gleich zu Anfang seines Vortrags bekennt sich Muschg zum großen Eindruck, den die Leistung Freuds auf ihn gemacht hat. Schon früh habe sich Freud mit Dichtungen als ergiebigen Quellen für die Erscheinungen des Unbewußten beschäftigt. „Wie reich ist etwa seine ‚Traumdeutung’ an literar-historischem Material und wie entscheidend ist die Auslegung des Sophokleischen Ödipus geworden. Shakespeares Werk, Gestalt und Dichtung E. Th. A. Hoffmanns, Goethes Wahrheit und Dichtung sind Fundgruben für den analytischen Forscher, der immer wieder seine Verehrung für die Dichtung ahnen läßt.” An manchem Schüler Freuds beanständet Muschg allerdings den Mangel an Verehrung für die Schöpfungen der Dichter, die „Geschmacksunsicherheit”, die „ästhetische Unterbegabung”. („Heftig lehnt der Vortragende die Machwerke Sadgers ab.”)
Muschg erwähnt auch, daß der Titel des Spittelerschen Beichtromanes „Imago” „zum Titel einer bedeutenden psychoanalytischen Zeitschrift geworden ist” und weist dann auch auf das Interesse der zeitgenössischen Dichter für die Psychoanalyse hin. Die literarische Epoche des Expressionismus sei ohne die Psychoanalyse nicht denkbar. (Er erwähnt auch, daß Albrecht Schaeffer — dessen Hauptwerk „Helianth” von Muschgs Habilitationsschrift