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Dr. Arthur Kielholz, Direktor der Kantonalen Irrenanstalt Königsfelden (Aargau, Schweiz), hielt dieses Referat auf der I. Schweizerischen Reformierten Irrenseelsorgerkonferenz am 14. Oktober 1929.
Auf dem ersten nördlichen Chorfenster der Klosterkirche von Königsfelden, das der Darstellung der Legende der hl. Anna gewidmet ist, finden sich am untern Rande drei Szenen aus dem Alten Testament abgebildet, links diejenige des trunkenen Noah, der in seiner Hütte aufgedeckt lag, von seinem Sohn Ham so erblickt und dann von dessen Brüdern Sem und Japhet, die rücklings zu ihm hintraten, mit einem Mantel zugedeckt wurde. Ihr Angesicht war abgewandt, daß sie ihres Vaters Blöße nicht sahen. „Der Vater des Weines” aber, als er von seinem Wein erwachte, und vernahm, was sein jüngster Sohn getan hatte, verfluchte ihn und seinen Stamm als Knecht aller Knechte unter seinen Brüdern, während er diese lobte und segnete. (1. Mos. 9, 20–27.)
Das Alte Testament bringt somit die verschiedenen Schicksale der Menschenrassen zusammen mit der Trunksucht eines Patriarchen in grauer Vorzeit, und es liegt gewiß ein tiefer Sinn dieses Mythos auch darin, daß gerade der jüngste Sohn und dessen Nachkommenschaft am meisten unter dem väterlichen Fluch zu leiden hat.
Erinnern wir uns neben dieser Exhibitionsszene noch an eine nicht minder eindrückliche, die im 19. Kap. desselben Buches (30–38) geschildert ist. Lot befindet sich mit seinen beiden Töchtern auf der Flucht aus dem völlig vernichteten Sodom und Gomorra, allein übrig geblieben, und rastet mit ihnen in einer Höhle. Sie geben ihm Wein zu trinken und schlafen bei ihm. Und sie legten sich zu ihm, und er ward's nicht gewahr, und also wurden die beiden Töchter schwanger von ihrem Vater. Von den Söhnen, die diesem Inzest entsprossen, stammten die Moabiter und Ammoniter, götzendienerische Nachbarn des auserwählten Volkes, minderwertige, von ihm unterworfene Stämme.
Königsfelden ist, wie Sie alle wissen, aufgebaut auf, zum Teil mit den Trümmern des alten