You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Psychoanalyse zeigt uns, daß das, was wir bisher als unsere Geistestätigkeit bezeichnet haben, in Wirklichkeit nur den kleinen Teil eines Ganzen darstellt, einen Teil, dem man von nun an den weniger anspruchsvollen Namen bewußter Geistestätigkeit wird geben müssen, weil diese bewußte Geistestätigkeit nur einen verhältnismäßig geringen und ausgewählten Teil unserer geistigen Tätigkeit darstellt, und in weitestem Ausmaß aus jener tieferen Schichte erfließt, die wir jetzt das Unbewußte nennen und die diesem Teil seine lebendige Kraft verleiht. Die Natur dieses Unbewußten, von dem das Bewußte nichts, aber auch gar nichts weiß, hat uns Sigmund Freud erschlossen; sein Genie hat eine Methode ersonnen, dieses bisher dunkle und unzugängliche Gebiet zu erforschen. Dank seiner Arbeit haben viele bis jetzt unerklärliche Probleme ihre Lösung gefunden und, was noch mehr bedeutet, sind wir jetzt imstande zu verstehen, daß es eine Unzahl von Fragen gibt, an deren Aufstellung wir gar nicht gedacht hatten, da wir, zufrieden mit unseren erworbenen Kentnissen, nicht ahnten, daß es solche Fragen überhaupt geben kann.
Gestatten Sie mir, diese letzte Bemerkung zu erläutern, indem ich mich ohne Verzug dem Thema dieses Vortrags zuwende. Was die Eifersucht betrifft, ist uns da wohl ungefähr alles bekannt, ihr Zusammenhang mit Liebe und Haß, ihre Entstehungsbedingungen usw.? Wir könnten ohne weiteres den Schluß ziehen, daß wir alles Wesentliche über dieses Thema bereits wissen. Dennoch wäre es mir möglich, eine Reihe von Fragen zu formulieren, die, wie ich überzeugt bin, nur sehr schwer eine befriedigende Antwort finden könnten. Verstehen wir z. B., warum manche Menschen eifersüchtiger sind als andere? Warum die Frauen öfter von dieser Affektion befallen werden als die Männer? Warum z. B. der eine Mann, wenn er in seiner Liebe verraten wird, die Frau tötet, der andere den Rivalen? Das alles sind Dinge, die