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Wir haben im vorigen Heft dieser Zeitschrift Mitteilung über die Antrittsvorlesung gemacht, die Dozent Dr. Walter Muschg an der Universität Zürich vor kurzem hielt. Wir freuen uns nun, darauf hinweisen zu können, daß diese Antrittsvorlesung mittlerweile auch im Druck erschienen ist. (Unter dem Titel „Psychoanalyse und Literaturwissenschaft”, im Junker und Dünnhaupt Verlag, Berlin.) Was schon aus unserem kurzen — auf dem Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung” fußenden — Referat hervorging, bestätigt sich nun bei der Lektüre der Broschüre: wir haben es hier mit einer äußerst gedankenreichen Auseinandersetzung zu tun, die der Forschungsmethode der Psychoanalyse in ausgezeichneter Weise sinnvolles Verständnis entgegenbringt. Die Psychoanalyse ist nicht sehr verwöhnt: wohlgemeinte Komplimente bekommt sie wohl neuestens von wissenschaftlicher Seite nicht mehr selten zu hören, doch etablieren sie sich oft auf einem Mißverständnis der Psychoanalyse oder sie sind mit Vorbehalten verquickt, die gerade Wesentlichem und uns unerläßlich Scheinendem gelten. Im Falle Muschg jedoch begegnen wir einmal einem außenstehenden Kritiker, von dessen Seite die Anerkennungen uns ebenso wertvoll erscheinen, wie die Einwendungen beachtenswert. Auch sind seine Feststellungen durchaus instruktiv; z. B. der Hinweis auf den direkten Einfluß der Psychoanalyse auf die zeitgenössische Dichtung. Der deutsche Expressionismus (Franz Kafka, Arthur Döblin) sei ohne Freud nicht denkbar. In Frankreich sei der Name Freuds das Losungswort ganzer literarischer Gruppen geworden. Freuds Werk sei ein Ferment in der Entwicklung der modernen Dichtung, es erschüttere viele Dichter mit unverkennbarer Gewalt.
Sehr präzis mißt Muschg die Distanz zwischen der Psychoanalyse und der Literaturwissenschaft ab. Für den Psychoanalytiker sei „nicht das vollendete Werk, sondern das Wie und Warum seines Entstehens das Verlockende … Nicht die einzelne begnadete Dichtung, sondern das Dichten als allgemeines, zum mindesten als massenh