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Die hier folgende Untersuchung (von Dr. Fritz Lehner, Wien, aus dem Französischen übersetzt) will nicht nur gewisse Gegenwartsströmungen in der bildenden Kunst und der Dichtung gegen den Vorwurf der Dekadenz verteidigen, bedient sich vielmehr auch des Hiebs als Parade und das Plaidoyer für das Primitive, Dunkle, für alle Romantik wendet sich geistig erregt gegen das Klassische schlechthin. Frois-Wittmann versucht gar nicht, zwischen dem Publikum, dem aus der Behaglichkeit seiner Verdrängungen aufgescheuchten „Bürger” einerseits und dem nicht mehr die äußere Realität beschreibenden, sondern das Chaotische des eigenen Unbewußten zum Ausdruck bringenden modernen Künstler andererseits zu vermitteln; das Publikum — fordert er — müsse von „der faden Milch der griechischen Brüste” entwöhnt und von den moraldiktierten Ängsten dieses Entwöhnungskampfes befreit werden; es habe keinen Sinn, das Publikum zu überreden, sich um das intellektuelle Verstehen der ihm unverständlichen modernen Kunst zu bemühen, vielmehr müsse man die seelische Haltung der Zuschauer dem jenseits des Realitätsprinzips aus hemmungsloser, infantiler Lust schaffenden Künstler nähern, „indem man ihnen immer entschiedener die Werte des Über-Ichs zerstört und ihrer Libido so das Leben und die Beweglichkeit wiedergibt”. In diesem Sinne will also die vorliegende Arbeit nicht nur ein Beitrag zur Wissenschaft von der Kunst sein, sondern auch einer Tendenz inbezug auf das Verhalten zur Kunst, einer bestimmten Kunstpolitik dienen, und — wenn man so sagen darf — auch einer allgemein-menschlichen Libidopolitik. Daß der Verfasser aus psychoanalytischen Prämissen solche Folgerungen zieht, die andere Psychoanalytiker nicht zu ziehen vermögen, und daß er sich sogar vielfach im schroffsten Gegensatz begibt zu Ansichten vieler anderer Psychoanalytiker, kann niemandem verborgen bleiben. Unrecht täten demnach unsere Leser dem Verfasser, hielten sie seine — jedenfalls gedankenreichen und fesselnden — Darlegungen in der Haupt