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Aus der Feder des bekannten Berliner Psychoanalytikers Dr. Hanns Sachs (er ist auch den Lesern dieser Zeitschrift aus mehreren Beiträgen bekannt) erschien soeben im Verlag Julius Bard, Berlin, eine biographische Studie über eine der merkwürdigsten Gestalten der römischen Geschichte („Bubi, Die Lebensgeschichte des Caligula.” Mit einer Porträtzeichnung des Hans Aufseeser und 4 Bildtafeln. Geheftet M. 4·50; in Leinen M. 6·50). Caligula, den die gegen Wilhelm II. zielende scharfe Schrift Quiddes in den Jahren vor dem Kriege in unseren Gesichtskreis rückte, wird in diesem Werk auf dem Hintergrund seiner eigenen Zeit gezeichnet. Daß das seelische Profil Bubis (so nannten den berüchtigten Kaiser seine Untertanen bei der Thronbesteigung) vom Analytiker Sachs im Geiste der Psychoanalyse erschaut wird, ist begreiflich. Mit Genehmigung des Verfasse und des Verlags geben wir hier ein Kapitel des Buches wieder:
Das „Bubi” hatte eine große Liebe — so gewaltig und verzehrend, wie die von Dichtern besungenen, so echt und tief und dauerhaft, wie sie jemals ein Mann empfunden hat. Eine jener Leidenschaften, die weit, weit in die Kindheit zurückreichen und das ganze Leben bis zum Ende umfassen. Die Berichte sprechen von den Schmerzen, die er, der sonst alles Schmerzliche von sich fernhielt und abschüttelte, um dieser Liebe willen litt; die Wonnen, mit denen sie ihn gefesselt hatte, lassen sich aus ihnen erschließen. Dieses einzige geliebe. Wesen war seine Schwester Drusilla.
Von den Kindern des Germanicus und der Agrippina waren — abgesehen von Caligula selbst — noch drei Töchter am Leben geblieben — Drusilla Agrippina (die jüngere) und Julia. Daß Caligula alle drei Schwestern besitzen wollte und besaß, ist aus seiner Sinnesart heraus unschwer zu verstehen; es gab viele Gründe, äußere und innere, die ihn dazu antreiben mußten. Zunächst, weil der Inzest das Vorrecht der orientalischen Despoten war, die sich dadurch von der Menge der gemeinen Sterblichen abhoben und isolierten. Daß es ni