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Aus einem im Winter 1929/30 im Frankfurter Psychoanalytischen Institut gehaltenen Vortragszyklus: Störungen des Gemeinschaftslebens”.
Wir kennen den Menschen nur als Gemeinschaftswesen. Von allem Anfang an lebt er in Symbiose. Noch erlebt er sie nicht. Dies allein wäre Objekt psychologischer Forschung. Bei dem Schmarotzerdasein des Embryos im Mutterleib aber, in dem für gewöhnlich Reizstille herrscht, haben wir keinen Anhalt, von einem Subjekt-Objekt-Bewußtsein, einem Erleben zu sprechen. Erst die Geburt läßt diese Präexistenz zur Existenz werden — Existenz kommt von exsistere a aus sich herausstellen —; erst dann gibt es Reiz, Reizaufnahme, Reizerlebnis, Reizantwort: die Ichtriebe streben nach Wiederherstellung der Reizstille.
Die erste Zeit nach der Geburt bleibt die Gemeinschaft zwischen Mutter und Kind Mittelpunkt des menschlichen Daseins. Nach wie vor ist das Kind auf die Mutter angewiesen, daß sie ihm die Reizstille ermögliche. Aber die Sinnesorgane, unter ihnen vor allem die Muskeln, beginnen gemäß ihren ererbten, in ihrem Bau fixierten Funktionen zu arbeiten. Und mit dieser triebhaft lustvollen Betätigung gewinnt das Kind selber mehr und mehr die Macht über die Reizwelt, in erster Linie über die unmittelbare, den eigenen Körper. Es beginnt sich auf die Symbiose mit dem Körperich einzurichten. Zur Beherrschung der Reizwelt aber dienen vor allem die Niederschläge der früheren Erlebnisse. Diese Erinnerungen werden gleichfalls als Ich erlebt, mit dem das Subjekt eine Lebensgemeinschaft zu bilden genötigt ist (Zeit des primären Narzißmus).
Auf diese Weise lockert sich ganz allmählich die Lebensgemeinschaft Mutter-Kind, und neue mit anderen Objekten der Außenwelt greifen Platz. Auch der Vater tritt als Liebesobjekt in das Leben des Kindes ein. Die Stellung des Kindes zur Mutter sowohl wie zum Vater aber ist nicht einheitlich; vielmehr sind die Eltern als Träger der Erziehung-Entziehung immer häufiger gezwungen, dem Kinde Lust zu versagen, ja direkt Unlust zuzufügen.