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Wir entnehmen die folgende Krankengeschichte dem soeben im Internationalen Psychoanalytischen Verlag in Wien erschienenen neuen Buche von Helene Deutsch: „Psychoanalyse der Neurosen” (Elf Vorlesungen, gehalten am Lehrinstitut der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung; geheftet M. 7·—, Ganzleinen M. 9·—). Das Buch behandelt in der Einleitung die Rolle des aktuellen Konfliktes in der Neurosenbildung, im ersten Hauptteil die Hysterie (die häufigsten Typen der Konversionssymptome: Nachtangst Bettnässen, Potenzstörungen, Lähmungen, Sprachstörung, Freßlust, Anfälle und Dämmerzustände), im zweiten Teil verschiedene Angstzustände der Phobie (u. a. Fälle von Katzenphobie, Platzangst usw.), in einem dritten Teil die Zwangsneurose (Zwangszeremoniell und Zwangshandlungen, Zwangsvorstellungen) und in einem Anhang die depressiven Zustände der Melancholie.
Eine 25jährige junge Dame macht die lange Reise aus ihrer überseeischen Heimat nach Wien, um fluchtartig das Milieu ihres aktuellen Konfliktes zu verlassen, und hier für die Erregung, in der sie sich befindet, Hilfe in einer psychoanalytischen Behandlung zu suchen. Auf der langen Reise legt sich die Erregung und in der Sprechstunde erscheint bereits ein ruhiges, zuversichtliches Mädchen, ohne die geringste Krankheitseinsicht und derzeit, wie sie meint, nicht mehr behandlungsbedürftig. Sie ist schön, gebildet und lebt daheim in glänzenden Verhältnissen. Knapp vor ihrer Abreise hatte sie einen mißlungenen Selbstmordversuch begangen; von dem Revolverschuß blieb ihr nur eine kaum sichtbare Narbe an der Schläfe zurück. Sie verübte die Tat in einem kleinen Hotel ihrer Vaterstadt unter Umständen, die in ihr selbst jetzt den Verdacht aufkommen lassen, daß es sich um ein Arrangement von zwanghaftem Gepräge gehandelt haben könnte. Das Motiv des Selbstmordes war ihr selbst nie ganz klar geworden. Allmählich beginnt sie, in diesem ersten Gespräch einzusehen, daß sich in ihrem Leben etwas Dunkles, scheinbar Krankhaftes abspiele, eine Einsicht