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In dem soeben erschienenen neuesten Heft der von Sigm. Freud herausgegebenen „Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse” (XVI. Jahrg., 1930, Heft 2) veröffentlicht Dr. Felix Boehm (Berlin) eine längere Studie „Über den Weiblichkeitskomplex des Mannes.” Boehm geht von
der Feststellung Freuds aus, daß der Ödipuskomplex des Knaben nicht nur in der ambivalenten Einstellung zum Vater und der zärtlichen Objektwahl für die Mutter besteht, sondern daß der Knabe — entsprechend der ursprünglichen Bisexualität des Kindes — sich gleichzeitig wie ein Mädchen benimmt, die zärtlich feminine Einstellung zum Vater zeigt und die ihr entsprechende eifersüchtig-feindselige gegen die Mutter. Boehm findet es durch seine Erfahrungen bestätigt, daß Knaben in der negativen Ödipuseinstellung ihre Mutter nicht bloß hassen, sondern auch auf deren Rolle beim Vater neidisch und eifersüchtig sind. Der Neid auf Mädchen und Frauen, deren Bevorzugung im Leben und in der Familie in vielen Beziehungen, besonders durch den Vater, wird vielen Knaben und Jünglingen bewußt, ebenso der daraus entstehende Wunsch, sich zu rächen. Ebenso sind Männer in jedem Fall, in welchem sich bei ihnen latente oder manifeste homosexuelle Regungen geltend machen, auf eine Rivalin eifersüchtig; es stellt sich immer Haß, Neid und Eifersucht auf die Frauen ein, welche den von den Männern begehrten männlichen Liebesobjekten nahestehen.
Für diese feminine Einstellung des Mannes, entstanden aus dem infantilen Wunsch die Mutter auch als Liebesobjekt des Vaters zu ersetzen, führen wir aus dem reichen kasuistischen Material, das Boehms Studie bietet, hier einige Beispiele an. Sie zeigen vor allem, wie dieser „Weiblichkeitskomplex” des Mannes vorzugsweise zu Potenzstörungen führt.
Bei einem Patienten — schreibt Boehm — ist eine latente Homosexualität bewußt gemacht worden, wobei auffallend starke Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle aufgetreten sind; er berichtet von einer homosexuellen Periode seines Lebens im Alter von ungefäh