You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Maiheft der „Neuen Rundschau” veröffentlicht unter dem Titel „Psychologie und Politik” einen Essay von Bertrand Russel, in dem der englische Philosoph die „möglichen guten, sowie die wahrscheinlichen schlechten” Wirkungen erörtert, welche die Psychologie seiner Voraussicht nach binnen kurzem auf die Politik ausüben wird. Bis in die neueste Zeit sei Psychologie ein unwichtiges philosophisches Geschwätz gewesen: „das akademische Zeug, das ich in meiner Jugend lernte, war des Lernens nicht wert.” Heute gebe es aber zwei ganz bestimmte, wichtige Wege, an die Psychologie heranzukommen: den der Physiologen und den der Psychoanalyse. „Es ist klar, daß die Psychologie in steigendem Maße die menschliche Einstellung beherrschen wird, je mehr die Ergebnisse dieser zwei Richtungen an Umriß und Wichtigkeit gewinnen.” Russel zieht vor allem die Erziehung als Beispiel heran. Früher habe es als ausgemacht gegolten, daß „Erziehung mit ungefähr zehn Jahren mit dem Erlernen der lateinischen Deklinationen zu beginnen habe. Was vorher geschah, galt nicht als wichtig … Hand in Hand mit dieser Konzentration auf die späteren Erziehungsstadien geht ein gewisser Pessimismus bezüglich des Machtbereichs: man glaubt, alles, was man wirklich tun könne, sei, den Menschen erwerbsfähig zu machen. Aber es zeigt sich, daß die Naturwissenschaftler der Erziehung eine sehr viel größere Kraft beimessen, als man früher tat, nur muß damit sehr früh begonnen werden. Psychoanalytiker würden mit der Geburt beginnen...”