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In seinem Buch „Psychopathologie des Alltagslebens” stellt Freud gelegentlich die Behauptung auf, daß er mit all seinen Darlegungen nichts anderes auf wissenschaftliche Weise zeigen könne, als was die Dichter schon längst gewußt und in ihren Werken in künstlerischer Form gestaltet hätten. Beispiele, die in den Dramen Shakespeares und Schillers zu finden sind, zeigen, daß diese Dichter sich über den Sinn der Fehlleistungen — in diesen Fällen: des Versprechens — klar gewesen sind und derartige Züge zur Charakterisierung ihrer Gestalten zu verwenden verstanden. Diese intuitive dichterische Kenntnis und Erkenntnis beschränkt sich durchaus nicht auf die Fehlleistungen, sondern erstreckt sich, wie im folgenden an Conrad Ferdinand Meyer gezeigt werden wird, auch auf andere durch die Psychoanalyse gewonnene Einsichten, wenn auch die Fehlleistungen zu dichterischer Verwertung besonders geeignet sind. Es scheint, daß zur Vorwegnahme solcher Erkenntnisse eine besonders empfindliche, feinfühlige, reizbare seelische Veranlagung gehört; je näher ein Dichter der feinen Grenzlinie steht, an der Genie und Wahnsinn sich scheiden, je schwieriger und gefährlicher der Kampf, durch den er sein Werk der drohenden Selbstvernichtung abringt, um so mehr hat er Verständnis für jene dunkeln Gewalten der Tiefe, jene schwer faßbaren Mächte der seelischen Unterwelt, deren klare Erfassung erst die Psychoanalyse ermöglicht hat. Auf kaum einen Dichter treffen diese Voraussetzungen so zu wie auf C. F. Meyer.