You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Vor etwa einem Jahrzehnt schrieb Otto Flake in seinen „Fünf Heften” den Satz nieder: „Liest man die Bücher von Sexualforschern und Nervenärzten der alten Schule, danach die von psychoanalytisch geschulten, ist der Unterschied eminent; dort die ganze Hilflosigkeit und anmaßende Kurpfuscherei von Leuten, die Dinge begutachten, in deren Inneres sie sich nicht versetzen können, weil sie durch die Wissenschaft dazu erzogen sind, nur das physisch Wahrnehmbare als Objekt gelten zu lassen; hier die noch nicht formulierte, aber de facto befolgte Auffassung, daß die Begriffe Körper und Geist völlig belanglos sind, daß ein Lebewesen ein Ort ist, in dem Vitalität sich manifestiert, daß also in letzter Instanz jedes Lebewesen eine in sich geschlossene, für sich normale Welt ist, deren System Gegenstand der Darstellung wird.” Man wird daraus folgern können, welche Anforderungen Otto Flake jetzt an sich gestellt hat, als er an eine Lebensbeschreibung des berüchtigten Marquis de Sade ging. Nicht gerade weil ein von der Psychoanalyse als so wichtig gekennzeichneter Partialtrieb der Sexualität eben nach jener Gestalt des 18. Jahrhunderts benannt ist, sondern weil jene problematische Gestalt an sich einen psychologisch bemerkenswerten Aspekt bietet, wird jeder Psychoanalytiker interessiert nach der Sade-Biographie Flakes greifen. Sie ist soeben im Verlag S. Fischer, Berlin, erschienen. (Unter dem Titel: „Marquis de Sade. Mit einem Anhang über Rétif de la Bretonne”.) Neben den einzelpsychologischen Gesichtspunkten kommen besonders die zeitgeschichtlichen und kulturpsychologischen zur Geltung, ohne daß ein Wust historischer Bagatellenhäufung die Klarheit des Porträts (wie das z. B. bei Dühren leider der Fall ist) gefährdete. Mit Genehmigung des Verfassers und des Verlags drucken wir hier das erste Kapitel des Buches ab. Es geht von der Hinrichtung des Damiens aus und der Leser wird erkennen, daß wir es nicht zufälligerweise an die vorangegangene Skizze des holländischen Psychoanalytiker