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Frankfurt a. M., 26. Juli 1930
Hochverehrter Herr Professor!
Es ist dem Unterzeichneten der ehrenvolle Auftrag geworden, Ihnen mitzuteilen, daß das Kuratorium des Goethe-Preises mit Stimmenmehrheit beschiossen hat, den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt, der 10.000 Reichsmark beträgt, in diesem Jahre Ihnen zu verleihen.
Nach der Ordnung für die Verleihung des Goethe-Preises „soll der Preis einer mit ihrem Schaffen bereits zur Geltung gelangten Persönlichkeit zuerkannt werden, deren schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig ist”.
Die Preisträger in den früheren Jahren waren: Stefan George, Albert Schweitzer, Leopold Ziegler.
Indem das Kuratorium nunmehr Ihnen, sehr verehrter Herr Professor, den Preis zuerkennt, wünscht es die hohe Wertung zum Ausdruck zu bringen, die es den umwälzenden Wirkungen der von Ihnen geschaffenen neuen Forschungsformen auf die gestaltenden Kräfte unserer Zeit beimißt. In streng naturwissenschaftlicher Methode, zugleich in kühner Deutung der von den Dichtern geprägten Gleichnisse hat Ihre Forschung einen Zugang zu den Triebkräften der Seele gebahnt und dadurch die Möglichkeit geschaffen, Entstehen und Aufbau vieler Kulturformen in ihrer Wurzel zu verstehen und Krankheiten