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Die Stadt Frankfurt hat in diesem Jahr ihren Goethe-Preis abermals einem Gelehrten, nicht einem Dichter gegeben. Man kann das beklagen wie es Herbert Eulenberg gewissermaßen im Namen der deutschen Dichter tut. Eulenberg hat freilich, was Frankfurt betrifft, im Grundsätzlichen Unrecht, denn den ersten Goethe-Preis, der vor einigen
Jahren verliehen wurde, erhielt Stefan George, und es ist zu erwarten, daß in künftigen Jahren Dichter wieder an die Reihe kommen. Im übrigen schreibt die Satzung des Goethe-Preises, und sicherlich aus gut überlegten Gründen, nicht vor, daß der Preis jedes Jahr einem Dichter gegeben werden müsse. Es handelt sich hier nicht um einen Literaturpreis wie bei dem Preis der Schillerstiftung oder der Kleiststiftung.
Nach der ganzen Art, wie bisher bei der Wahl für den Frankfurter Goethe-Preis verfahren wurde, könnte man eher von einem Persönlichkeitspreise sprechen. Daher wohl auch das Ansehen, das diese Auszeichnung in den wenigen Jahren seit sie gestiftet wurde, gewonnen hat. So hat der Goethe-Preis dem bis dahin mehr im Ausland als in Deutschland bekannten großen Bach-Biographen, Theologen, Orgelkünstler und Kolonialarzt Albert Schweitzer und seinem Werk einen Weg zum Herzen der deutschen Öffentlichkeit gebahnt. Er hat ferner, wie es einer einstigen Freien Reichsstadt wohl würdig ist, das ideenreiche Werk Leopold Zieglers in seiner Bedeutung für die Gestaltung schöpferischer politischer Gedanken hervorgehoben. In dieser seiner Wirkung wäre der Preis auch Männern vom Zuschnitte Fritjof Nansens oder Friedrich Naumanns angemessen gewesen. Nicht einmal die mittelbare oder die unmittelbare Beziehung auf Goethe ist der letzte Sinn des Goethe-Preises. Er könnte sonst leicht in der Forderung nach einer epigonischen Dichtung gipfeln oder Leute belohnen, nur weil sie ein mehr oder minder gutes Buch über Goethe geschrieben haben. Da ist es denn schon richtiger, sich an das napoleonische Voilà un homme zu halten, wie es für Goethe selber zutraf.
Es braucht