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Sigmund Freud ist ein Arzt, der seit mehr als vierzig Jahren Nervenkranke behandelt, die ihm von Nah und Fern zuströmen. Sein ärztlicher Name ist rund um den Erdball berühmt, er hat eine neue Methode angegeben, mit der hunderte anerkannte und tausende nicht anerkannte Schüler Kranke und Krankheiten behandeln, die vor Freud einer systematischen Behandlung nicht zugänglich waren. Somit hält ihn die Welt nicht nur für einen Arzt, sondern für einen großen Arzt, und niemand würde sich wundem, wenn er in der Stadt Wien oder anderwärts gerade als Heilkünstler ein steinernes Denkmal erhielte. Aber Freud selbst hält nicht viel von seiner ärztlichen Tätigkeit. Wir lesen in einer Publikation von 1927: „Nach 41jähriger, ärztlicher Tätigkeit sagt mir meine Selbsterkenntnis, ich sei eigentlich kein richtiger Arzt gewesen. Ich bin Arzt geworden durch eine mir aufgedrängte Ablenkung meiner ursprünglichen Absicht” [die ursprüngliche Absicht war naturwissenschaftliche Erkenntnis und die Ablenkung war verursacht durch die Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen] „und mein Lebenstriumph liegt darin, daß ich nach großem Umweg” [nämlich über Behandlung von Nervenkranken] „die anfängliche Richtung wiedergefunden habe … In den Jugendjahren wurde das Bedürfnis, etwas von den Rätseln dieser Welt zu verstehen und vielleicht selbst etwas zu ihrer Lösung beizutragen, übermächtig. Die Inskription an der medizinischen Fakultät schien der beste Weg dazu, aber dann versuchte ich's — erfolglos — mit der Zoologie und der Chemie, bis ich unter dem Einfluß v. Brückes, der größten Autorität, die je auf mich gewirkt hat, an der Physiologie haften blieb, die sich damals freilich zu sehr auf Histologie einschränkte. Ich hatte dann bereits alle medizinischen Prüfungen abgelegt, ohne mich für etwas Ärztliches zu interessieren, bis ein Mahnwort des verehrten Lehrers mir sagte, daß ich in meiner armseligen materiellen Situation eine theoretische Laufbahn vermeiden müßte. So kam ich von der Histologie d