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Freud als Schriftsteller? wird der psychoanalytische Fachmann fragen, und ich frage es mich selbst, denn ich verstehe, was gemeint ist. Dieser Titel scheint fragwürdig; er riecht nach Ästhetentum, nach Einmischung des Literaten, die reichlich spät kommt und wahrlich nicht am Platz ist, wo es sich ein Leben lang nur um eine Sache handelte. Ich sehe mich genötigt, sogleich ein Geständnis anzufügen, um den fatalen Eindruck wegzuwischen, den er begünstigt.
Es sollen hier wirklich ein paar Worte über Freud als Prosaisten aufgezeichnet werden. Aber ich denke nicht daran, diesem Autor sein Sprachkleid zu stehlen, um es als schöngetupften Balg in die Regale der Ästhetik zu hängen; mich treibt eben die Genugtuung über die Unmöglichkeit einer solchen Prozedur. Der Schriftsteller Freud ist vom Psychologen nicht zu trennen, niemand wird jenen ohne diesen verstehen, und man hat es jederzeit mit seiner Lehre zu tun, wenn man sich mit seinen literarischen Fähigkeiten beschäftigt. Der Versuch, sein Wesen aus den Figurationen seiner Sprache, das Wirkende aus dem Bewirkten abzulesen, wäre hoffnungslos verfehlt. Die Zeit ist vorüber, wo man einem Autor in Dissertationen die Adjektive und Verben nachzählte, in Häufchen gruppierte und wie Bohnen sortierte, in der Erwartung, damit seinen „Stil” zu klassifizieren.
Nach dieser gröbsten Unterscheidung darf man aber wohl hervorheben, daß der Schöpfer der Psychoanalyse seinen Zeitgenossen mit einem schriftstellerischen Oeuvre von seltenem Umfang und Reichtum gegenübersteht. Seine Werke sind in allen Buchläden ausgestellt, es gibt von ihnen Gesamtausgaben in mehreren Sprachen; junge Leute tragen sie jetzt auf der Straße unterm Arm, wie wir vor fünfzehn Jahren die roten Dostojewski-, die gelben Strindbergbände bei uns trugen. Freud hat eine geistige Großmacht der Epoche begründet, und er hat dies in der Hauptsache mit literarischen Mitteln und gegen ein Heer