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„Denn jedes Neue, auch das Glück, erschreckt.” Schiller, Braut von Messina
In einer jener kleinen, an Erkenntnissen und Anregungen reichen Arbeiten, die uns Freud in den letzten Jahren immer wieder mit spielender Hand beschert hat, in dem Aufsatze „Die Widerstände gegen die Psychoanalyse” (Ges. Schr. XI. Bd.) findet sich ein Hinweis auf das Thema meiner Abhandlung, dem ich die Beschäftigung mit dem bezeichneten Problem verdanke. Nachdem Freud an einigen scheinbar disparaten Beispielen die verschiedenartige Reaktion auf das Neue und Fremde erläutert hat, versucht er, das auch Gemeinsame aller dieser Verhaltensweisen festzustellen, und zwar erblickt er es in einem Unlustgefühl. Er fährt hierauf fort: „Die Quelle dieser Unlust aber ist der Anspruch, den das Neue an das Seelenleben stellt, der psychische Aufwand, den es fordert, die bis zu angstvoller Erwartung gesteigerte Unsicherheit, die es mit sich bringt. Es wäre reizvoll, die seelische Reaktion auf das Neue an sich zum Gegenstand einer Studie zu machen, denn unter gewissen nicht mehr primären Bedingungen wird auch das gegenteilige Verhalten beobachtet, ein Reizhunger, der sich auf alles Neue stürzt, und darum, weil es neu ist.” Die folgenden Ausführungen Freuds gelten dann bloß der Untersuchung eines Sonderfalles der Reaktion auf das Neue, nämlich der Widerstände gegen die Psychoanalyse.
Zu diesen bedeutsamen Feststellungen Freuds merken wir noch an, daß dem Reizschutz (der Reizverweigerung) von Haus aus eine besondere Wichtigkeit zuzukommen scheint; er existiert jedoch nur gegen äußere Reize. Unliebsame innere Reize, Triebreize (das Neue kann ja auch aus der Innenwelt stammen) werden entweder wie äußere behandelt, d. h. nach außen projiziert, oder auf eine spezifische Weise abgewehrt, nämlich vom Bewußtsein ferngehalten, „verdrängt”.