You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
(Fortsetzung und Schluß)
Strindbergs zweite Ehe mit Frida Uhl (1893/95), die in dem Buch „Entzweit — Einsam” (1902/03) ihre dichterische Behandlung erfährt, fällt mit der furchtbarsten Zeit in des Dichters Leben, der „Inferno-Krise” ungefähr zusammen. Auch dieses Buch ist eine nicht ganz ungetrübte Quelle. Die eifersüchtige Angst, betrogen zu werden und für unmännlich zu gelten, nimmt in der Zeit dieser Ehe bereits die gesteigerten Formen des Verfolgungswahnes an. Den ersten Kuß empfängt er von seiner zukünftigen Frau, statt ihn zu geben. Dadurch fühlt er von neuem seine Männlichkeit beeinträchtigt und angezweifelt. Er spürt, daß die Frau ihm ihre Überlegenheit beweisen will. „Trotz ihrer Liebe konnte sie nicht verbergen, daß sie ihn auf Gnade und Ungnade in ihrer Gewalt zu haben glaubte und zuweilen ließ sie es ihn merken.”29 Auch in dieser Ehe fand Strindberg ebensowenig wie in seiner ersten das, was er in der Frau suchte: die Mutter, die Madonna im Rosenhag, die sich über ihr Kind beugt. Die Mutter war ihm der Ursprung, der zu verehren war! Als er statt der Mütterlichkeit Tyrannei fand, „schlug er zu, auch auf den empfindlichsten Punkt, den Kultus seiner toten Mutter; dieser Kultus ist nichts anderes als die Verehrung, die der Wilde den Vorfahren zollt, und müßte mit der Ehrfurcht vor den Alten abgeschaflt werden, wenn man mit dem Fortschritt Ernst machen will.”30 Es dauert nicht lange, so erblickt er in seiner Frau nur noch den Vampir, und ein bunter Wechsel zwischen Trennung und Wiedervereinigung beginnt. Die Madonnenrolle lag weder der ersten noch dieser zweiten Frau Strindbergs, aber sie spielten sie ihm vor. Als er das entdeckte, was nicht ausbleiben konnte, witterte er Verfolgung und Verrat. Die deutlichste