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Im Jahre 1929 hat Reik in der Zeitschrift „Imago” eine inhaltsreiche Arbeit über die Psychoanalyse des jüdischen Witzes veröffentlicht1, welche ich nur in einer Hinsicht kritisieren muß und andererseits auch ergänzen will. Freud gibt in seiner Untersuchung „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten”2 als das sonderbarste Moment am jüdischen Witz an, daß hier ein Volk in so großem Ausmaße sich über sein eigenes Wesen lustig macht. Und Reik deutet diese Selbst Verspottung, — die er allerdings als erbitterte Selbstkritik und Selbstherabwürdigung viel schärfer und tragischer nimmt — analog den Selbstanklagen Melancholischer dahin, daß im Witz auch der Gegner und Unterdrücker der Juden mitkritisiert ist: der Gegner sei nämlich durch Identifizierung in das Ich des den Witz machenden Juden aufgenommen — wie die verlorene Person in der Melancholie —; die Selbstverspottung richte sich also auch gegen die Fehler des Gegners.
Hier drängt sich vor allem der Einwand auf, daß im jüdischen Witz nie Züge wie Roheit, Gewalttätigkeit, Raublust, Neid oder dgl. verspottet werden. Nicht die Eigenschaften, welche der Jude dem Feind vorwirft, sind der Gegenstand, sondern die Eigenschaften, welche auch die Feinde den Juden vorwerfen. Die jüdischen Witze behandeln zum größten Teil folgende Themen: Unkriegerisches Wesen, übertriebene Angst und Feigheit; ferner raffinierten Geschäftsgeist, scharfsinnige Schlauheit; dann Unreinlichkeit, Hypochondrie; die Keckheit des vom Bettel Lebenden (des Schnorrers) u. dgl. mehr. Dem Christen (Goi) wird meist nur eines vorgeworfen, nämlich Dummheit, mangelnder Scharfsinn. Eine oft behandelte Figur ist der geschäftsmäßige Heiratsvermittler (Schadchen), eine spezifisch jüdische Figur. Weiters richtet sich der Spott auch gegen die Eltern, welche Geldehen empfehlen und für die Liebe als Heiratsmotiv nur Ironie übrig haben. Eine große Anzahl von jüdischen Witzen verspotten endlich höchst Autoritatives, die Wunderrabbis, den Glauben an das eigene Volk, den Zion