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Um das Zustandekommen von Gedächtnistäuschungen zu erklären, gibt der platonische Sokrates im Theätet (cap. 33–37) zwei Gleichnisse für den zugrunde liegenden seelischen Zustand: I) Die Seele gleicht einer Wachsmasse, der die Wahrnehmungen sich einprägen wie ein Siegel. — II) Die Seele gleicht einem Taubenschlag, dessen Insassen vertreten die Vorstellungen.
Die Überlegenheit des ersten Gleichnisses über das zweite, des plastischen Bildes über das leere Symbol ist offenkundig. Wie die Sinnendinge Abbilder der Ideen, sind sie ihrerseits Urbilder im Wahrnehmungsvorgang. Entlehnt der Atomwelt Demokrits, gibt das Gleichnis des Prägebildes eben in seiner widerspruchsvollen Entsprechung die dem Idealisten gemäße Auffassung, wo er sich verleiten läßt, die Welt des Scheines wahr nehmen zu wollen.
Solange der Abdruck in der Seele haftet, solange währt das Erinnern. Ungünstige mechanische Eigenschaften der Seelensubstanz haben die Täuschung zur Folge. Unreine und harte Substanz nimmt nur undeutliche Bilder auf. Man könnte weiter gehen und weiche Substanz, deren Prägung sich verwischt, insbesondere auf das Vergessen beziehen, einen Leistungsmangel, geringe Gesamtoberfläche, die ein Überlagern der Bilder zur Folge hat, auf die Fehlleistung im positiven Sinne. Aber der platonische Sokrates treibt das Gleichnis nicht bis dahin. Nicht unmittelbar zwischen den Prägebildern findet eine Verwechselung statt. Die Täuschung kommt nicht anders zustande als unter Mitwirkung eines gegenwärtigen Sinneseindrucks. Stets findet ein Vergleichen statt, des Abbildes mit dem Gegenstand. Sokrates erblickt von ferne einen Bekannten, hält ihn irrtümlich für seinen Gesprächspartner Theätet. Im Bestreben den Bekannten wiederzu erkennen, hat er den gegenwärtigen Sinneseindruck mit dem falschen zweier in Betracht kommenden Erinnerungsbilder in Verbindung gebracht, „wie man über den rechten Fuß wohl einmal versehentlich den linken Schuh zieht” (sinngemäß freie Wiedergabe).
Das Gleichnis des Prägebildes erk