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Wir haben im vorigen Heft dieser Zeitschrift über die Zuerkennung des Goethepreises 1930 durch das Frankfurter Kuratorium an Sigmund Freud berichtet und die beim Festakt im Goethehaus zu Frankfurt gehaltenen Reden ebenso die Rundfunkrede von Alfons Paquet wiedergegeben und veröffentlichten anschließend daran zwei größere Essays von Fritz Wittels („Goethe und Freud”) und von Walter Muschg („Freud als Schriftsteller” Heute wollen wir nun eine kleine Auslese aus den Pressestimmen zur Goethepreisverleihung nachtragen. Es kann natürlich nicht unsere Aufgabe sein, alle — noch so ausführlichen — Zeitungsberichte über den Frankfurter Festakt anzuführen, noch die bei dieser Gelegenheit in Zeitungen und Zeitschriften veröfientlichten mehr oder minder eingehenden Darstellungen des Leben und des Werkes von Freud. Es kann sich nur darum handeln, einige charakteristische Äußerungen als Stichproben herauszugreifen, und auch dabei beschränken wir uns bloß auf die deutschsprachige Presse.
Als erste — noch am 9. August, bevor die Entscheidung des Kuratoriums schon offiziell bekannt war — ergriff die „Frankfurter Zeitung” das Wort. Der umfangreiche Essay von Dr. Robert Drill über den „Preisträger Freud” reiht sich den früheren gehaltvollen Äußerungen Drills zur Psychoanalyse würdig an. „Es bestätigt sich also” — beginnt Drill — „daß Sigmund Freud den Goethepreis erhält. Das ist schön. Man darf vielleicht sagen: Wenn es richtig zuginge, dann hätte Freud schon lange sämtliche Preise die in Betracht kämen. Da dies bei weitem nicht der Fall ist, hat die Frankfurter Ehrung besonderen Wert.” Das Feuilleton schließt mit den Worten: „Das Verhalten gegen ihn war lange und weithin eine Blamage. Lassen wir das! Es ehrt das Frankfurter Komitee, daß es den Goethepreis dem großen Forscher und Wohltäter der Menschen verleiht.”
Dafür, daß die „Frankfurter Zeitung” als erste das Urteil der Preisrichter zustimmend registrierte, konnte sie sich auch sehr rasch eine schlechte Zensur holen. Im „Neuen Wiener