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Die von Willy Haas herausgegebene Wochenschrift „Die Literarische Weit”, die in rühmenswerter Weise den Begrilf der Literatur nicht so eng faßt, wie es aus der Perspektive des Literatentums sonst üblich ist, und die besonders in jüngster Zeit immer mehr die Erörterung politischer, religiöser, wissenschaftlicher, sozialer, wirtschaftlicher Gegenwartsströmungen in ihre eigentliche, literarische Sphäre einbezieht, gibt in ihrer Nummer vom 10. Oktober — im Rahmen einer Artikelserie über den Stand der Wissenschaften — Prof. Kronfeld das Wort zum Thema „Psychiatrie”, Ludwig Steinecke zum Thema „Psychologie”.
Die Psychiatrie — führt Kronfeld aus — knüpft heute (soweit es sich nicht um anatomische Hirnkrankheiten handelt) wieder bewußt an Traditionen psychologischer Art an, „wie sie — freilich in methodisch noch unzulänglicher Naivität — vor dem Einbruch der hirnmythologischen Ära bestanden.” Man sehe jetzt den „ganzen Menschen”, wie er in der Psychose eine neue, veränderte Weise der Begegnung mit der Welt erlebt. Diesen Aspekt zeigen die grundlegenden psychiatrischen Werke der Gegenwart, „die als Autoren freilich nicht mehr die Namen Kraepelin oder Bumke tragen, sondern etwa die Namen Alfred Storch oder Paul Schilder oder Ernst Kretschmer oder Willy Mayer-Groß oder Carl Schneider.” Der Einfluß der Psychoanalyse (etwa bei Bleuler) mag dabei tief gewesen sein, aber doch nicht so groß, als man annimmt. Größer sei nach Kronfeld der Einfluß der Philosophen Husserl, Scheler, Dilthey, Heidegger gewesen.
In seinem Überblick über die heutige Situation der Psychologie beschäftigt sich Ludwig Steinecke u. a. fnit der Überwindung der Bewußtseinspsychologie durch die Psychoanalyse. Auch der Idealtyp der Bewußtseinspsychologie, der apollinische Mensch, sei überwunden. Der Mensch ist nicht mehr das klassische, isolierte Individuum, er ist sozusagen ein System geworden, denn er wird von seinem Milieu determiniert (bei Freud durch die Beziehung zu Vater und Mutter; Ödipuskomplex).
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