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„Wie viel Wahrheit erträgt, wie viel Wahrheit wagt ein Geist? Das wurde für mich immer mehr der eigentliche Wertmesser. Irrtum (— der Glaube ans Ideal —) ist nicht Blindheit, Irrtum ist Feigheit … Jede Errungenschaft, jeder Schritt vorwärts in der Erkenntnis folgt aus dem Mut, aus der Härte gegen sich, aus der Sauberkeit gegen sich.”
Das sicherste Maß jeder Kraft ist der Widerstand, den sie überwindet. So wird die umstürzende und wiederaufbauende Tat Sigmund Freuds einzig erkenntlich in ihrer Gegenüberstellung zur seelischen Situation der Vorkriegswissenschaft, deren Anschauung — oder vielmehr Nichtanschauung — der menschlichen Triebwelt Freuds Tiefenpsychologie bis auf die Fundamente herab zertrümmert hat. Heute zirkulieren längst freudische Gedanken, — vor zwanzig Jahren noch Blasphem und Ketzerei, — völlig flüssig im Blut der Zeit und der Sprache; dermaßen selbstverständlich sind die von ihm geprägten Formeln geworden,