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Im Dezemberheft der „Neuen Rundschau” veröffentlicht Hermann Hesse „Notizen zum Thema Dichtung und Kritik”. Eine dieser Notizen trägt die Überschrift „Die Psychologie der Halbgebildeten”. Es verkleide sich — schreibt der Dichter (dessen Stellungnahme zur Psychoanalyse nicht unbekannt ist; man vgl. besonders seinen Essay „Künstler und Psychoanalyse” im „Almanach der Psychoanalyse 1926”) — es verkleide sich „in der Literaturkritik zur Zeit die geistfeindlichste und barbarischste Strömung in die Rüstung der Psychoanalyse”.
„Ist es nötig” — fährt Hesse fort — „daß ich erst vor Freud und seiner Leistung meine Verbeugung mache? Ist es nötig, daß ich dem Genie Freud das Recht zugestehe, jedes andre Genie der Welt mit den Mitteln seiner Methode zu betrachten? Ist es nötig, daran zu erinnern, daß ich zur Zeit, als Freuds Lehre noch umstrittener war, sie habe verteidigen helfen? Und muß ich eigens den Leser bitten, nicht Angriffe auf den genialen Freud und auf seine psychologischen und psychotherapeutischen Leistungen darin sehen zu wollen, daß ich den Mißbrauch der Freudschen Grundbegriffe durch geistlose Kritiker und fahnenflüchtige Philologen lächerlich finde?”
„Mit der Propagierung und dem Ausbau der Freudschen Schule, welche nach wie vor sowohl für die Seelenforschung wie für die Heilung von Neurosen Bedeutendes leistet und sich seit Jahren die verdiente Anerkennung nahezu überall erstritten hat — mit der Propagierung dieser Lehre in die Massen und dem zunehmenden Eindringen ihrer Methode und Terminologie auch in andre Geistesgebiete ist ein durchaus übles, ja widerliches Nebenprodukt entstanden: die pseudo-Freud sehe Psychologie der Halbgebildeten und eine Art von dilettantischer Literaturkritik, welche Werke der Literatur nach der Methode untersucht, welche Freud für die Untersuchung der Träume und andrer unbewußter Seeleninhalte anwendet…”
„…Man lenkt systematisch und mit einer gewissen Rachsucht (der Rachsucht des Unbegnadeten dem Geist gegenüber) die Aufmerksamkeit von