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Die Tierpsychologie ist ein Gebiet, auf dem die Anwendung der psychoanalytischen Methode, bezw. ihrer Forschungsergebnisse erst im geringsten Maße versucht worden ist; man kann eigentlich erst von Ansätzen einer psychoanalytischen Tierpsychologie sprechen. Im Anschluß an den vorstehend veröffentlichten Beitrag von Imre Hermann (Budapest) „Zur Psychologie eines Gorilla-Kindes” wird es sich empfehlen, sich über jene
bisherigen Ansätze kurz Rechenschaft zu geben. Freud selbst streift nur gelegendich Fragen der Tierpsychologie und stets nur hypothetisch und an solchen Stellen, wo es sich um eine differentielle Abgrenzung gegenüber Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens handelt. So schreibt Freud in seiner metapsychologischen Abhandlung über „Das Unbewußte” (Ges. Schr. V, 504):
„Welche Inhalte und welche Beziehungen dies System [das Unbewußte] während der individuellen Entwicklung hat, und welche Beziehung ihm beim Tiere zukommt, das soll nicht aus unserer Beschreibung abgeleitet, sondern selbständig erforscht werden.”
Ein wichtiges differentielles Moment sieht Freud im zweizeitigen Ansatz der Sexualentwicklung beim Menschen. In der Zusammenfassung der „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie” (Ges. Schr. V, 109) ist zu lesen: „Die Tatsache des zweizeitigen Ansatzes der Sexualentwicklung beim Menschen, also die Unterbrechung dieser Entwicklung durch die Latenzzeit, erschien uns besonderer Beachtung würdig. Sie scheint eine der Bedingungen für die Eignung des Menschen zur Entwicklung einer höheren Kultur, aber auch für seine Neigung zur Neurose zu enthalten. Bei der tierischen Verwandtschaft des Menschen ist unseres Wissens etwas Analoges nicht nachweisbar.”
Und in der XXVI. der „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse” (Ges. Schr. VII, 429) heißt es: „Wir konnten sie [die Übertragungsneurosen] auf die grundlegende Situation zurückführen, daß die Sexualtriebe in Zwist mit den Erhaltungstrieben geraten oder biologisch — wenn auch ungenauer — ausgedrückt, daß die ein