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Wenn es richtig ist, daß alle bildende Kunst von dem Versuch der Nachbildung des Menschen ausgeht, so verlohnt es sich wohl einmal darüber nachzudenken, wie die Abbildung der „Landschaft” als Vorwurf für den Maler überhaupt erklärt werden kann.
Die bildende Kunst darf als Versuch aufgefaßt werden, durch verständliche Symbolik wichtige, rein zeitliche, seelische Abläufe und Beziehungen des Menschen anschaulich wiederzugeben. Wir sagen dasselbe, wenn wir vermuten, daß es sich für den Künstler darum handelt, Zeitliches, Unanschauliches in Räumliches, Anschauliches zu übersetzen; Gefühle in Bilder.
Das schmerzvollste und allerallgemeinste Erlebnis des Menschen ist der Verlust des Paradieses durch die Geburt. Eingespannt in die vom biologisch-moralischen Gewissen geforderte „Leistungswelt” (Realititätsprinzip) entfernt sich jeder Mensch im aufsteigenden Teil seiner Lebensbahn immer weiter von diesem Paradiese, um im höheren Alter, dem Tode zugekehrt, allmählich wieder in die volle Unbewußtheit seiner Frühzeit zurückzusinken. Aber diese Entwicklung vollzieht sich nicht ohne ernstliche Einbrüche und Krisen: in jedem Leben, auch dem tätigsten und bewußtesten, lebt die Erinnerung an den seligen Urzustand als Unterströmung weiter, immer bereit, zum Bewußtsein viodringend das „Bergauf” des Leistungszwanges zu stören.
Der Künstler kann nun als invertierter Menschentyp aufgefaß werden, der die Aufgabe erfüllt, zu den Urquellen der Kindheit zurückzukehren und an das schlechthin Unerreichbare, an das verlorene Paradies, in seiner Symbolsprache zu erinnern. So ist — wenn wir hier ein Sonderproblem aus der gesamten Kunstgestaltung herausgreifen, die Darstellung der bildenden Kunst im Grunde nichts anderes als ein Weg zur anschaulichen Wiedergewinnung einer unrettbar verlorenen Position. Wenn sich der Primitive rohe Bildnisse seiner Götter formt, so sucht er damit das Gesetz der Vergänglichkeit alles Lebenden zu überwinden, den Vater, die Mutter, die er hat sterben sehen in einem geweih