You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Soweit ich die psychoanalytische Literatur zu überblicken vermag, ist das Fluchen noch nicht Gegenstand spezieller Untersuchung gewesen. Es ist ja auch nur ein scheinbar geringer, sicher aber häufig vorkommender und stark verpönter — und vielleicht gerade aus letzterem Grunde wissenschaftlich wenig beachteter — Ausdruck des besser bekannten Aggressionstriebes. Aber ich glaube die Erscheinung doch einer besonderen Beachtung wert. Dies umsomehr, als der Aggressionstrieb neuerdings von Freud („Das Unbehagen in der Kultur”) als Primärtrieb wieder mit Nachdruck in den Vordergrund des Interesses gerückt wurde.
Der Fragenkomplex, der bei einer Behandlung unseres Themas auftaucht, ist ein ordentlich verwickelter und ruft deshalb nach einem Plan der Gliederung.
Wir haben wohl vorerst zu unterscheiden zwischen dem eigentlichen Fluchen, dem Verfluchen und der Beschimpfung.
Alle drei Ausdrucksweisen zeigen als gemeinsame Merkmale, daß sie mehrminder spontane Affektentladungen von verhaltenem Groll, Ärger, Neid, Haß, verhaltener Eifersucht, Wut usw., kurz, verhaltener Aggression gegen sich oder den Nächsten sind, daß diese Entladungen durch das Wort geschehen, und daß dieses Wort aus den extremen Gebieten des Allerheiligsten, Erhabensten und Allerunheiligsten, Verpöntesten entnommen ist.
Obgleich Fluchen, Verfluchen und Beschimpfen aus denselben Triebquellen gespeist werden, möchte ich mein Augenmerk der Vereinfachung halber doch mehr dem ersteren zuwenden und die beiden letzteren nur abgrenzend streifen.
Sicher stehen alle drei sprachlichen Ausdrucksweisen zutiefst verankert auch mit der Magie des Primitiven, mit dem Glauben an die zauberhafte Wirkung des Wortes, im Zusammenhang. Dieser Zusammenhang zeichnet aber von allen dreien das Verfluchen ganz