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Aus dem im Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin, erschienenen Buche „Die Askese” von Kristian Schjelderup, das die Askese und die damit zusammenhängenden religions-psychologischen Probleme auf psychoanalytischer Grundlage behandelt, geben wir (mit Genehmigung des Verlags und des Verfassers) mit einigen Kürzungen einen Abschnitt des Kapitels über die „Wirkungen der Askese” wieder. Dr. Schjelderup ist Dozent der Theologie an der Universität Oslo; seine Untersuchung stützt sich nicht allein auf die asketische Literatur, sondern auch auf persönliche Beobachtungen in katholischen Klöstern Mitteleuropas, in Brahmanen- und Buddhistenklöstern in Indien, China, Japan usw. und auch auf die von ihm vorgenommene Analyse eines Einsiedlermönches aus dem Orden der Augustiner. Die (protestantischen) kirchlichen Vorgesetzten Dr. Schjelderups in Norwegen haben ihm wegen seiner Beschäftigung mit der Psychoanalyse die Ausübung des Seelsorgerberufes untersagt. (Man vgl. auch das Referat „Askese und Sadomasochismus” in „Die psychoanalytische Bewegung”, I. Jahrg. 1929, S. 193 ff und die Besprechung des Buches im Sonderheft „Religionspsychologie” der „Imago”, XVI, 1930, S. 540 ff.) — Ein anderer Abschnitt des Buches („Träume und Halluzinationen der Asketen”) ist in dem soeben erschienenen „Almanach der Psychoanalyse 1931” abgedruckt.
Auf einer bekannten Radierung von Felicien Rops sieht man einen Asketen vor dem Kruzifix im Gebet knieend: wie ein Schatten entschwindet die Gestalt des Heilands und an ihrer Stelle steigt strahlend das Bild eines üppigen, nackten Weibes in der Stellung des Gekreuzigten hervor. Das psychologisch Interessante dieser Darstellung der Versuchung ist, daß der Künstler die personifizierte Sünde den Platz des Heilandes am Kreuze einnehmen läßt. Dies scheint mir eine typische Illustration des Freud sehen Gesetzes: Rückkehrend tritt das Verdrängte eben aus dem, was die Verdrängung bewirkte, hervor. Die verdrängte Sexualität rächt sich, indem sie sich der sie verdränge