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In einer gedanken- und ergebnisreichen Studie behandelt Bernfeld das Tagebuch der Jugendlichen1 und sucht die Gesamterscheinung, wie sie sich uns aus gegenwärtigem und historischem Material ergibt, für eine vertiefte Erkenntnis der jugendlichen Psyche, insbesondere der Pubertätszeit, auszuwerten. Liegt auch naturgemäß der Hauptton in der psychologischen Problemstellung, so wird die Arbeit durch die reizvolle Verbindung von psychologischen und literarhistorischen Gesichtspunkten über den Kreis der Fachpsychologen auch für denjenigen bedeutsam, der sich mit der Autobiographie und den ihr verwandten Erscheinungen befaßt.
Das Tagebuch als geschichtliches Phänomen ist eng an die Bewußtwerdung des Individuums im Laufe der neueren Geschichte geknüpft. Humanismus und Renaissance entrissen den abendländischen Menschen der vorhergegangenen kollektiven Gebundenheit, brachten dem Einzelnen den Wert der Persönlichkeit erstmals zum Bewußtsein und entwickelten damit den Antrieb, die mittelalterliche, durchaus der Außenwelt zugewandte Chronik in einer Ich-zugewandten Selbstdarstellung fortzuführen. So finden wir etwa vom 15. Jahrhundert ab in steigender Häufigkeit Diarien und Tagebücher, zunächst anknüpfend an besonders bedeutsame persönliche Erlebnisse (Reisen, Missionen, Geschäfte), interessanterweise vornehmlich in der zum Leben erwachten Schicht des Großbürgertums, das sich in wachsendem Selbstbewußtsein den herrschenden Mächten Adel und Kirche führend an die Seite stellte. Einen mächtigen Auftrieb erfuhr die Entwicklung des Tagebuches im 17. Jahrhundert durch den Pietismus und seine Forderung sorgfältiger Prüfung des eigenen Gewissens und Lebenswandels, ebenso aber auch durch den Jesuitenorden mit seinen Anforderungen an genaue Erforschung der eigenen Persönlichkeit. In Deutschland wurde erst das 18. Jahrhundert zur Blütezeit des Tagebuchs. Der mächtige Einfluß der Bekenntnisse des Rousseau mag dabei mitgewirkt haben. Lavaters Tagebücher, dann aber vor allem das Erscheinen des