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Freud werde von seinem „massiven Naturalismus” verleitet, „den Urgrund alles Seienden, den lebendigen Gott, als Hirngespinst zu erklären. Und” — schreibt Maag weiter — „mit einer Weltanschauung, die den Sinn des Daseins
leugnet, können wir nichts anfangen”. Sagen Sie das nicht, Doktor Maag; eines haben Sie immerhin damit anfangen können: ein Buch konnten Sie doch darüber schreiben, vorne gewidmet „dem hohen Erziehungsrat” ihres Heimatkantons Zürich und hinten mit Erklärung der Fremdworte „affektiv, biologisch, Fiktion, Hegemonie, Onanie, Pollution, sexuell, spontan” usw., damit es ja auch die Laiesten der Laien in die Hand nehmen können. Und diesen Laien, und hauptsächlich den Neurotikern selbst spendet dieses Buch nicht nur Lektüre, sondern auch Trost. Denn dieser „verbesserte Freud” lehrt, die Wurzeln der Neurose seien im Bewußten zu finden, nicht im Unbewußten. Die „Verbesserung” ist ein sehr einfacher Vorgang: die Freudsche Lehre wird auf den Kopf gestellt, Umchehen ist bequemste Kritik. Was Freud als unbewußt erklärt, sei seinem ganzen Wesen nach bewußt. „Es handelt sich einerseits um irgendeine Form sexueller Triebherrschaft, andererseits um Akte, die mit dem Ethos des Täters unvereinbar sind. Beides sucht er zu verdrängen und vom Bewußtsein auszuschließen. Die Behauptung, daß das möglich sei, und daß das Verdrängte unbewußt werde, ist mit der Wirklichkeit unvereinbar.” „Der Konflikt des Neurotikers ist kein bloßer Triebkonflikt — es gibt keine Triebkonflikte — sondern ein ethischer Konflikt.” Die ethischen Konflikte sind nach Maag hauptsächlich Konflikte des Ethos mit der Geschlechtslust. „Darum haben alle echten Neurosen so gut wie ausnahmslos eine sexuelle Unterlage.” Aber sie sind heilbar im Zeichen des Gottesglaubens, denn Gott zu finden sei das Fundament des Glücks.
Angesichts dieser — gewiß ohne Skrupel und ethischen Konflikt vor sich gegangenen — Ausschlachtung der Befunde der Psychoanalyse zu entgegengesetzten Ergebnissen und Forderungen, kann man sic