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Unter Heranziehung von Tagebuchmaterial, biographischen Notizen, Kindheitsdarstellungen in der schönen Literatur, von Massenuntersuchungen in Schulen aller Gattungen (Schulaufsätze, Statistiken u. dgl.) versucht Vorwahl eine systematische Darstellung der seelischen Verhaltungsweise in der Vorpubertät (10. bis 14. Lebensjahr) zu geben. Die Gliederung der Darstellung geht am besten aus den Kapitelüberschriften hervor:
Die personalen Beziehungen: Die Eltern — Geschwister — Verhältnis zur Schwester — Freundschaften.
Die Eigenwelt: Das Spiel — Knabenstreiche — Bandenwesen — Klassen- und Gemeinschaftsleben — Die soziale Lage — Geheimnis und Selbstbewußtsein.
Die Beziehungen zur Wertwelt: Der geistige Horizont — Literatur der Vorpubertät — Religion — Sittlichkeit — Rangordnung der Werte — Beruf — Sexualität.
Die Psychoanalyse ist dem Verfasser nicht unbekannt, doch legt er sich bei der Heranziehung ihrer Befunde eine starke Zurückhaltung auf. Die Lehre vom Inzestmotiv zeitige z. B. bei der Deutung des Geschwisterverhältnisses zu eindeutige Resultate, oder — um ein anderes Beispiel zu nennen — man dürfe bei der Motivation der Berufswahl, bezw. der entsprechenden Wünsche in der Vorpubertät, die Bedeutung des infantilen Trieblebens nicht überschätzen.
Bemerkenswert ist, daß Vorwahl trotz der Angriffe von Burt und Krug auf die Echtheit des von Hermine Hug-Hellmuth herausgegebenen „Tagebuchs eines halbwüchsigen Mädchens” „an der psychologischen Richtigkeit des wohl als Erinnerungen der Herausgeberin zu betrachtenden Materials” festhält. Dieses „Tagebuch” wird denn auch von Vorwahl öfters herangezogen, insbesondere im Kapitel „Sexualität”, wo es mit Darstellungen der Dichterinnen Clara Viebig und Sigrid Undset konfrontiert wird. St.