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Lou Andreas-Salomé ist am 13. Februar 70 Jahre alt geworden. Keiner Frau kommt der Ehrenname einer „großen Europäerin” eher zu. Nickt nur, weil sich in ihrer Herkunft Französisches mit Russischem und Deutschem begegnet, sondern vornehmlich, weil ihr hellsichtiges Verständnis, ihr revolutionäres Unbekümmertsein sich stets auf jenen Höhen bewegte, die den Grenzen des Völkischen, des Fachlich-Schulmeisterhaften, des gerade in Mode Stehenden spotten, auf jenen Höhen, wo das Europäisch-Freie, Unzeitgemäße stets zu Hause war. Und weil diese große Frau, die gerade vor einem halben Jahrhundert Nietzsche exaltieren durfte (wodurch allein sie sich schon in den Blättern der Geistesgeschichte eingetragen hat), nicht nur eine geistvolle Denkerin, sondern auch eine begnadete Dichterin ist, konnte sie schon „Psychoanalytikerin” sein, ehe sie Freuds Entdeckungen kannte. Mit diesen wurde sie erst 1911 bekannt; aber z. B. der Roman „Ruth” oder die feinfühligen fünf Geschichten über halbwüchsige Mädchen, die der gemeinsame Titel „Im Zwischenland” umspannt, wurden schon früher geschrieben. („Im Rückerinnern will mir scheinen, als ob mein Leben der Psychoanalyse entgegengewartet hätte, seitdem ich aus den Kinderschuhen heraus war”) Seit zwei Jahrzehnten zählt nun Lou Andreas-Salomé zu jenen Dreihundert, die in den fünf Erdteilen als „offizielle” Anhänger Freuds „registriert” sind, und daß es die „Wiener Psychoanalytische Vereinigung” ist, der sich Frau Andreas-Salomé angeschlossen hat, weiß diese Vereinigung als Ehre zu schätzen. (Es ist übrigens auch kein Geheimnis, daß Frau Lou Andreas-Salomé zu jenen ganz wenigen Zeitgenossen zählt, die in persönlich-privaten Beziehungen zu Sigmund Freud stehen.) Die unten namentlich angeführten psychoanalytischen Publikationen dieser Psychoanalytikerin sind nicht zahlreich,1 erfreuen sich aber mit Recht einer besonderen Wertschätzung, und auch wir können heute ihres 70. Geburtstages