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In der „Revue Française de Psychanalyse” veröffentlicht der Genfer Psychoanalytiker Charles Odier unter dem Titel „L'argent et les Névrosés” eine größere (etwa 140 Seiten umfassende) Studie. Der erste umfangreichere Teil der Arbeit ist der Geschichte von zwei Fällen schwerer Zwangsneurose gewidmet, die sich beide durch das Symptom intermittierenden Wanderzwangs (fugues) auszeichneten und in denen das Geld als vielfach determiniertes Symbol eine besondere Rolle spielte: Gehemmtsein, Geiz während der Zeiten relativer Gesundheit, Verschwendung während der „Fluchten”. Die Schlußfolgerungen und theoretischen Ergebnisse hinsichtlich der psychologischen Bedeutung des Geldes werden in dem zweiten Teil der Arbeit zusammengefaßt, dessen wichtigste Gedanken hier auszugsweise wiedergegeben seien.
Für den Psychoanalytiker — führt Odier aus — bietet sich eine Reihe besonders günstiger Gelegenheiten, die psychologische Funktion des Geldes zu studieren. Er kann bei seinen Kranken die Regungen des Unbewußten an Hand von Einfällen und Träumen verfolgen, die dem außenstehenden Beobachter verborgen bleiben müssen, und gewinnt so ein eindrucksvolles Bild von der Ambivalenz, in der die Menschen dem Gelde gegenüber verharren, zugleich auch ein Bild von der Vielfältigkeit der symbolischen Rolle, die das Geld im Seelenleben zu spielen vermag.
Ein guter Ausgangspunkt für diese Studien ist die Honorarfrage, deren Einfluß wohl durchweg in jeder Analyse zu beobachten ist. Einige Beispiele mögen beweisen, daß die Angehörigen der verschiedensten sozialen Schichten unabhängig von ihrer Vermögenslage unter diesem Einfluß stehen.
I) Eine sehr reiche Patientin von ausgezeichnetem Charakter, gutherzig, sehr freigebig gegenüber Armen und Unglücklichen, dabei ohne jede Eitelkeit hinsichtlich dieser ihrer Freigebigkeit, steht wegen gelegentlicher Anfälle von Depression und Angst in Behandlung. Sie zahlt 20 Schweizerfranken pro Stunde. Sie weiß, daß der Analytiker Violinspieler ist. Nach Übergabe der ersten