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In seinem vor kurzem (bei Georg Thieme in Leipzig) erschienenen umfangreichen Werke „Perspektiven der Seelenheilkunde” beschäftigt sich Arthur Kronfeld u. a. auch mit der Frage, welche Ergebnisse der völkerpsychologischen Forschung für die Bestimmung des Seelisch-Abnormen (bei der Neurose, als auch bei der Psychose) herangezogen werden können. Er billigt insbesondere der Anwendung der Psychoanalyse auf völkerpsychische Bestände eitlen großen heuristischen Wert zu. Im Abschnitt „Die entwicklungsgeschichtliche Präformation des seelisch Abnormen” schreibt er u. a.:
„Die Völkerpsychologen haben sich den Gedankengängen der Psychoanalyse vielfach noch weit mehr verschlossen, als dies innerhalb der Psychopathologie der Fall war. Sie haben ihr, oft mit ganz unzulänglichen Argumenten, Willkür und unzulässige Verallgemeinerung vorgeworfen.”
„Aber es ist vielmehr bezeichnend für die Vorsicht des Entwicklungsganges der völkerpsychologischen Psychoanalyse, daß sie niemals, wie etwa in der Neurosenlehre, mit einem geschlossenen systematischen Gebäude der Völkerpsychologie hervorgetreten ist. Insbesondere zwei Fragenkreise bedürfen auch für die Psychoanalyse selbst erst noch weiterer Klärung. Einmal die Abgrenzung der spezifisch-psychoanalytischen Symbolik von der andersartigen, naturalistisch oder soziologisch begründeten Symbolik in der Völkerkunde und Mythenforschung. Und zweitens die Arbeit an den besonderen Erlebensund Denkformen der Primitiven und ihren strukturellen Grundlagen — die bisher von der Psychoanalyse nur vorläufig und heuristisch mit den neurotischen Strukturen gleichgesetzt worden sind.”
„Diese kritische Zurückhaltung der Psychoanalytiker hinsichtlich der Tragweite ihres Verfahrens in der Völkerpsychologie ist nicht etwa neueren Ursprungs. Sondern gerade die besten völkerpsychologischen Freud schüler haben sie immer besessen, und es ist nicht richtig, daß sie sich einer kritiklosen Verallgemeinerungstendenz schuldig gemacht hätten. So hält Abraham es für gefährlich