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In einem Aufsatze „Zur Psychologie und Pädagogik der Scham” von Kurt Haase in der „Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik” (1930, VI, S. 415 ff) heißt es u. a.: „Der Schutz persönlicher Würde, ob sie an Erlebnissen persönlicher Art (seelische Scham) oder am Leibe hafte (Geschlechtsscham), ist eine positiv sittliche Forderung. S. Freud lehnt die Erziehung zur Geschlechtsscham mit der Begründung ab, daß die Geschlechtsscham Libidobefriedigungen verhindere und dadurch sehr leicht nervöse Erkrankungen hervorrufe.” Dem wäre entgegenzuhalten, einmal, daß ärztliche Überlegungen niemals letztlich über die Norm persönlichen Verhaltens entscheiden können, vielmehr stets die sittliche Forderung über der ärztlichen stehen muß, sodann, daß es wahrscheinlich gar nicht die echte sittliche Geschlechtsscham ist, welche jene Neurosen hervorzurufen pflegt, sondern vielmehr die unechte, auf sozialer Suggestion beruhende Geschlechtsscham, die der sittlichen Fundierung entbehrt. Daß Freud tatsächlich diese vor Augen hat, geht aus seinen Ausführungen deutlich hervor.
Warum vergißt man Träume? frägt Andreas Angyal (Turin) in der „Zeitschrift für Psychologie” (Bd. 118, 1930, S. 191 fl). Der Verfasser kommt in seiner — im Institut für experimentelle Psychologie an der Universität Turin entstandenen — Abhandlung zum Ergebnis, daß es ein aussichtsloses Unterfangen sei, einen Traum rekonstruieren zu wollen, denn dazu fehlt einerseits jeder Anknüpfungspunkt, andererseits sei der Bereich dessen, was im Traume zu erleben möglich ist, schlechthin unbegrenzt. Wenn es sich um die Reproduktion des Erlebnisses des Wachzustandes handle, bieten gewisse relativ konstante Faktoren des Wachzustandes Anhaltspunkte; solche Faktoren sind: die relativ konstante Verbindung verschiedener Zeitabschnitte mit gewissen Ereignissen der Umwelt und mit gewissen Faktoren der persönlichen Lebensführung, die Konstanz des Ortes,