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Die Psychoanalyse hat zum Verständnis der Entstehung des Christentums entschieden wertvolle Beiträge geliefert. Allein je mehr man sich von der Dogmen- und Sakramentsbildung auf die genuine Religion Jesu zurückzieht, desto dürftiger wird die analytische Ausbeute, wie uns beispielsweise Georges Berguers Buch über Jesus bezeugt (vgl. Imago VI, 1920, S. 291 ff). Der Grund liegt in der Tatsache, daß hier die Neurosenbildung nicht mehr dieselbe Rolle spielt, wie im apostolischen Zeitalter und der ihm nachfolgenden Entwicklung.
Anders verhält es sich beim Buddhismus. Je mehr wir uns seiner klassischen Ausprägung nähern, desto bedenklicher versagt die Bewußtseinspsychologie, und desto brennender wird das Bedürfnis nach den Einsichten, die wir der Freud'schen Neurosenlehre verdanken. Um jedoch einen tragfähigen religionspsychologischen Boden zu gewinnen, dürfen wir uns nicht mit der Untersuchung der klassischen Urkunden begnügen. Es ist ja gerade der unermeßliche Gewinn der psychoanalytischen Forschung, daß sie uns von der Beobachtung des lebenden Menschen ausgehen lehrt und von da aus zur indirekten Analyse übergeht.
Seit langem um die unbewußten Gestaltungskräfte des Buddhismus interessiert, betrachte ich es daher als Glücksfall, daß mir die Analyse eines wirklichen Buddhisten vergönnt war. Was den Fall noch wertvoller macht, ist der Umstand, daß es sich um einen Mann handelt, der in christlicher Familie aufwuchs, den weitaus größten Teil seines Lebens in christlichen Ländern zubrachte und durch starke Gemütsbedürfnisse zum Übertritt in die buddhistische Religionsgemeinschaft veranlaßt wurde. Hier fand er wenig neue Belehrung, vielmehr wurde ihm im Wesentlichen nur bestätigt, was er sich selbst ausgesonnen hatte. Aber ihm ward Gelegenheit zuteil, aus der Isolierung in die Sozietät zurückzukehren.
Der Analytiker sah sich folgendem Bilde gegenübergestellt:
Diethelm U., geboren 1874, krankte an einer Reihe von pathologischen Symptomen, litt aber nicht unter ihnen. Die Analyse be