You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die vorliegende Arbeit stellt einen Ausschnitt aus umfassenderen Untersuchungen dar. Sie möchte sich auf eine Eigentümlichkeit vieler Bildwerke Hodlers beschränken, die einem unbefangenen Betrachter immer zuerst augenfällig wird, auf die merkwürdig betonte und häufig auch symmetrisch angeordnete Wiederholung der hauptsächlichsten Elemente eines Bildes. Hodler selbst benennt dieses „Prinzip” als Parallelismus und mißt ihm eine ganz besondere Bedeutung bei.
Wir möchten versuchen, auf dieses „Prinzip” einzugehen und Hinweise zu erbringen, wie sehr die scheinbar rein formalen, künstlerischen Überlegungen Hodlers mit seinem ganzen Leben innigst zusammenhängen, aus seinen tiefsten menschlichen Erlebnissen erwachsen sind, und wie sie die gigantischen Bemühungen eines großen Menschen darstellen, mit seinem Jugenderleben fertig zu werden.
Bekanntlich hat sich Ferdinand Hodler (1853–1918) im Verlauf seiner künstlerischen Entwicklung ein System geschaffen, welches er unter dem Namen Parallelismus in die Kunst einführte. Über den Grad der Wichtigkeit, welche er diesem Stil beilegte, lassen wir ihn selber sprechen: „Mit der Richtigkeit oder Unrichtigkeit meines Parallelismus steht oder fällt mein Werk. Entweder ist der Parallelismus, wie ich ihn erkannt, umschrieben und angewandt habe, ein Weltgesetz von allgemeiner Gültigkeit, und dann ist mein Werk von unübersehbarer Bedeutung, oder aber ich habe mich geirrt, und in diesem Falle ist mein Schaffen lauter Selbsttäuschung und Trug.” —- „Unter Parallelismus verstehe ich jede Art von Wiederholung. Jedesmal, wenn ich in der Natur die Art der Dinge am lebhaftesten empfinde, stehe ich immer unter dem Eindruck der Einheit.” — „Der Parallelismus ist ein Gesetz, das über die Kunst hinausragt, denn er beherrscht das Leben.” — „Ist der Parallelismus nicht das herrschende, dann ist er das ordnende Element.”
Am bildhaftesten drückte sich Hodler im Wintermonat 1909 in einem Gespräch gegenüber Loosli über dieses Thema aus: „… Du stehst vor einem