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Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Zerstörung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden. (Freud; „Das Unbehagen in der Kultur”)
Die allgemeine Verfemung, die sich die Psychoanalyse wegen ihrer für die Selbstzufriedenheit der Kulturmenschen teilweise recht kränkenden Forschungsergebnisse gefallen lassen mußte, ist offenbar daran schuld, daß sich die Politiker bisher so auffallend wenig um die Auswertung psychoanalytischen Gedankengutes bekümmert haben. Man hätte meinen dürfen, daß Arbeiten wie Freuds „Massenpsychologie und Ich-Analyse” (1921), „Die Zukunft einer Illusion” (1927) und neuerdings (1930) „Das Unbehagen in der Kultur” — reich an geistvollen, neuartigen und wegeweisenden Einsichten in die Grundlagen menschlichen Zusammenlebens — einen gewaltigen Widerhall in jener Welt finden würden, wo über Wohl und Wehe der „Masse” entschieden wird. Nichts von alledem ist zu bemerken. Man sucht die Einsichten der Psychoanalyse in jenen Kreisen nicht nur nicht, man verschließt sich vor ihnen, man schweigt sie tot, so gut es eben gehen will.
Nun ist es nicht allzusehr zu verwundern, daß die Gruppen der enragierten Patrioten in den verschiedenen Ländern mit der Psychoanalyse nichts zu tun haben wollen. Die massenpsychologischen Einsichten des Schöpfers der Psychoanalyse sind so wenig dazu angetan, „nationalem Narzißmus” zu schmeicheln, daß sie dem Ohr eines jeden mißfällig klingen müssen, der seine höchsten Ideale einzig in der Betonung der Vorzüge seines eigenen Volkes, seines Staates, seiner Nation zu sehen gewohnt ist. Für das deutsche Volk in seinen nationalistischen Gruppen kommt gewiß noch als weiteres Moment die Tatsache hinzu, daß Freud Jude ist und daher — nach gewissen dogmaähnlichen Vorurteilen in dieser Welt — schon aus diesem Grunde „zersetzend” und „auflösend” wirken muß.
Merkwürdiger berührt es, daß die linksstehende,