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In einer Arbeit über „Die Erotisierung der Angst”1 haben wir die Frage aufgeworfen, inwieweit die Gestalt des entsetzenerregenden Unteroffiziers nicht ihre Existenz dem Bedürfnis gewisser Menschengruppen verdankt, Angst als Erotismus zu kultivieren, wobei Angsteinflößen mehr der männlichen Aktivität, Angsterdulden mehr der weiblichen Passivität entsprechen würde. Wir haben uns weiter gefragt, ob die Erotisierung der Angst nicht in Kunst und Literatur einerseits, in den
religiösen Vorstellungen andererseits eine bedeutende Rolle spielt, und schließlich konnten wir nicht umhin nachzuforschen, inwieweit nicht die sozialen Beziehungen der Menschen überhaupt in den Dienst der Erotisation der Angst gestellt werden könnten und so ihrem bewußten Zwecke je nach dem Grade dieser Erotisation entzogen wären. Im Laufe dieser Untersuchung haben wir die Möglichkeit der Verwandtschaft von Angst und Orgasmus studiert und in Erwägung gezogen, inwieweit die Angst (nicht die Realangst, sondern die erotisierte Angst [französisch: l'angoisse]) die infantile Form des Orgasmus darstellen könnte und deshalb in Angst- und Pollutionsträumen eine ganz besondere Rolle spielt. Weiterhin stellten wir in Parallele Angst und Vorlust einerseits, Schmerz und Endlust andererseits und führten an, daß die Form der sozialen Organisation der Menschen wohl davon abhängen könne, inwieweit sie einerseits eher der Abfuhr der Libido des Individuums durch Angst, Schreck und Grausamkeit dient, andererseits diese Libidoabfuhr durch Individualisierung des Einzelnen auf genitaler Stufe erstrebt. Und damit zogen wir in Betracht, daß der Orgasmus des Primitiven etwas ganz anderes sein könnte, als der Orgasmus des Kulturmenschen, und daß diese Verhältnisse von weitgehendem Einfluß auf die soziale Organisation des Menschen sein müßten. Alle diese Betrachtungen führten uns dazu, eine enge Beziehung