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Alles menschliche Tun wird mindestens von zwei Determinanten beherrscht: von der Welt der Werte und der der Triebe. Die Sendung der Psychoanalyse war, die Welt der Triebe aufzugraben und zu zeigen, daß diese Welt in uns von jener anderen, objektiven Welt (daher gerne als außer uns bezeichnet) bis zu einem hohen Grade unabhängig ist. Wir konnten sehen, daß die elementare Triebwelt sich oft genug der Moral, der Begeisterung, allerlei Nützlichkeit und schlau konstruierter Notwendigkeit, mit einem Worte: der Welt der Werte nur bedient wie eines Mantels oder wie der Heuchelei, von der ein geistreicher Mann gesagt hat, sie sei die Verbeugung, die das Laster vor der Tugend macht.
Als die jugendliche Psychoanalyse so weit gekommen war, übernahm sie sich — ich darf das sagen, weil ich selbst zu den Schuldigen gehöre — und denunzierte fast alles menschliche Tun, jedenfalls alles außerordentliche Tun als ursprünglich unabhängig von dem bewußten Sinn und Wert des Tuns. Wir gingen in der Tat so weit, daß wir auch die Welt der Werte für psychoanalytisch durchleuchtbar bis auf den Grund erklärten. Peccavimus. Der Wohltäter wurde als Sadist entlarvt, der aus Angst vor seiner ursprünglichen Bösartigkeit Gutes tut. Allerdings wurde auch der Bösewicht als Masochist erkannt, der die Strafe aus Strafbedürfnis herausfordert. Der Held wurde zum exhibierenden Narzißten. Der peinlich Gerechte stand auf einmal als analer Zwangscharakter nackt und beinahe verächtlich vor seinen Mitmenschen. Noch einmal und gründlicher war das Kunststück gelungen, mit dem die Propheten schon eh und je die Wertbegriffe ihrer Zeit auf den Kopf gestellt hatten. Die Umwertung aller Werte schien durch die Psychoanalyse in die Wertlosigkeit aller Werte verhoffnungslost zu sein.
Diese Sturmperiode der Psychoanalyse wurde bald von der Erkenntnis abgelöst, daß die psychoanalytische Trieblehre zwar neues (und erschreckendes) Licht auf das Warum unseres Sinnens und Trachtens warf, jedoch auf die Frage: was sollen wir also