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In der Schriftenreihe „Stoff- und Motivgeschichte der deutschen Literatur” (Walter de Gruyter & Co., Berlin 1931) ist jetzt in zwei selbständigen Teilen eine Arbeit von Kurt K. T. Wais über „Das Vater - Sohn - Motiv”
erschienen. Über den durch den Titel der Schriftenreihe gekennzeichneten Rahmen hinausgehend berücksichtigt die Arbeit auch die außerdeutsche Literatur.
Der erste Teil (die Zeit bis 1880 umfassend) besteht aus 6 Kapiteln. Sie behandeln das Motiv bis etwa 1700 (mit einem besonderen Abschnitt über Shakespeare), den Kampf gegen den tyrannischen Vater in der Aufklärung, die Verdammung des pietätlosen Sohnes in der Wertherzeit, den Kampf gegen den Vater in der Generation der französischen Revolution (begreiflicherweise besonders Schiller berücksichtigend), den pietätvollen Elternkult der Romantik und die Verdammung des Vaters und den Triumph des Sohnes in der realistischen Epoche 1830–1880 (Stendhal, Heine, Börne, Hebbel, Dostojewski, Strindberg, Samuel Butler usw.).
Der Zeit von 1880 bis 1930 ist der zweite Teil gewidmet. Der pietätvolle Vaterkult der Neuromantik (etwa 1895–1920, Rilke, Kassner, Hofmannsthal, Barrès, Claudel, Proust) wird gesondert behandelt, im übrigen in der eigentlichen vaterfeindlichen Einstellung unterschieden: eine pessimistische Strömung (fatalistische Auffassung des Konflikts, z. B bei Ibsen, Hauptmann, Schnitzler), eine pietätlose Strömung bis zum Weltkriege und eine radikal pietätlose Strömung der Revolutionsgeneration um 1918 (Hasenclever, Werfel, Unruh, Leonhard Frank, Barlach, Bronnen usw.).
Schon aus den bisherigen Angaben geht hervor, was die Arbeit von Wais in den Augen des Psychoanalytikers besonders charakterisiert. Sie ist historialisierend. Nicht das individuelle Schicksal des einzelnen Dichters, die Phasen und Störungen seiner infantilen Entwicklung seien es, die bestimmen, wie das Vater-Sohn-Motiv in seinen Werken zur Gestaltung gelangt, sondern hauptsächlich der Zeitgeist. Die psychoanalytische Literatur kennt der Verf