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Von Otto Fenichel sind soeben im Internationalen Psychoanalytischen Verlag, Wien, zwei Bücher erschienen: „Hysterien und Zwangsneurosen” (Geh. M. 7.—, in Ganzleinen M. 9.—) und „perversionen, Psychosen, Charakterstörungen” (Geh. M. 8—, in Ganzleinen M. 10—). Aus dem ersten Kapitel des letzteren Buches geben wir hier ein Bruchstück, das die Homosexualität behandelt. Wir lassen dabei hier sowohl die Fußnoten, Literaturverweisung, als auch größtenteils die in den Text eingeschalteten Krankengeschichten weg.
Perverse sind nicht, wie neuerdings wieder behauptet wurde, „Kümmerformen”, nichts „Untermenschliches”. Die Behauptung, daß alle Perversen psychopathisch oder minderwertig wären, hat keine andere Berechtigung als etwa die analoge Behauptung von den Neurotikern, und scheint eher einer gewissen allgemeinen menschlichen Angst vor der Anerkennung der Perversion zu entsprechen als sachlichen Argumenten. Die Perversionen sind im Gegenteil gerade etwas Menschliches, und zwar Allgemeinmenschliches. Bloch hat zuerst nachgewiesen, daß die allgemeine Wertung ihnen Unrecht tut, daß sie zu allen Zeiten und bei allen Völkern geübt wurden und zu bestimmten Zeiten allgemein geduldet und anerkannt waren. Freud hat das ergänzt: Perverse Neigungen und gelegentliche perverse Handlungen oder wenigstens Phantasien kommen bei jedem Menschen vor, beim Normalen wie beim Neurotiker, dessen Symptome sich in der Analyse als entstellte perverse Handlungen herausstellen. „Wenn es aber richtig ist”, schließt daraus Freud, „daß die reale Erschwerung oder Entbehrung einer normalen Sexualbefriedigung bei Personen perverse Neigungen zum Vorschein bringen, die sonst keine solchen gezeigt hatten, so muß bei diesen Personen etwas angenommen werden, was den Perversionen entgegenkommt; oder, wenn Sie so wollen, sie müssen in latenter Form bei ihnen vorhanden sein.” Es ist heute schon allgemein bekannt, was unter diesen „latenten Perversionen”, die es jedem ermöglichen, unter widrigen Umständen pervers zu w