You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Mögen auch die nachstehenden Ausführungen in Einzelheiten vielleicht den Widerspruch mancher Leser unserer Zeitschrift hervorrufen, so veröffentlichen wir sie doch gerne als wertvollen Beitrag zur Diskussion einer schwierigen Frage der psychoanalytischen Theorie, zur Begriffsabgrenzung Ichideal-Über-Ich.
Im gewöhnlichen Sprachgebrauch wird mit dem Wort „Ideal” angedeutet: ein Zukunftsbild oder eine Zukunftsvorstellung, die man verwirklichen möchte. Ist die Bedeutung des psychoanalytischen Terminus „Ichideal” mit diesem Sprachgebrauch in Übereinstimmung?
Die Frage läßt sich nicht mit einem einfachen ja oder nein beantworten, weil der Ausdruck in verschiedenem Sinne gebraucht wird. Das eine Mal im richtigen „Ideal”-Sinne zur Andeutung eines Bildes der Persönlichkeit, die man sein möchte, das andere Mal im Sinne einer besonderen unbewußten Ich-Instanz, der die innere Regelung der Triebe und Triebwünsche obliegt.1 Wenn das Wort im letzteren Sinne gebraucht wird, wechselt es auch ab mit dem Terminus „Über-Ich”, der von Freud, in „Das Ich und das Es”, ausdrücklich gleich „Ichideal” gesetzt wurde.2
Gegen diese terminologische Gleichstellung wäre nun nichts einzuwenden, wenn die mit den beiden Termini verbundenen Begriffe wirklich identisch wären. Allein dies ist, wie wir nachweisen zu können glauben, nicht der Fall, und es scheint darin gerade der Grund des Doppelgebrauches der Bezeichnung „Ichideal” zu liegen: das eine Mal wird wirklich ein „Ichideal” gemeint, das andere Mal hat man eigentlich das „Über - Ich” vor Augen. Sehen wir uns die betreffenden Ausführungen Freuds näher an. Das „Ich - Ideal” der „Einführung des Narzißmus” — in der die Bezeichnung zum ersten Male vorkommt