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In seiner interessanten Studie „Gebetmantel und Gebetriemen der Juden” bemüht sich Theodor Reik, aus der bibelexegetischen Literatur irgend eine befriedigende Deutung des Tallith- und Tephil- linbrauches zu erbringen, und er muß diesen Exkurs mit dem Geständnis schließen, daß er keine genügende Erklärung zu hören bekam. Umsomehr muß man dem Verfasser dankbar sein, daß er auf einen schmalen, fast unsichtbaren Pfad verweist, der dann den Wanderer wirklich der Lösung des Problems näher bringt. Wieder bewährte sich einmal das psychoanalytische Forschungsmittel, ein abseitiges, kaum bemerktes Detail näher ins Auge zu fassen, um so einen wichtigen Zugang zum verborgenen Sinn zu erschließen.
In einem kaum noch bekannten, mehr als zweihundert Jahre alten Buche eines Geistlichen namens Johannes Lundius findet Reik die Behauptung, der Brauch, ein Ziegenhaar aus der Kopftephilla heraushängen zu lassen, sei „zum Gedächtnis der roten Kuh und baten sie (die Juden) Gott, daß wie die rote Kuh ihre Sünden getragen und von ihrer Unreinigkeit gereinigt, Gott sie auch also von Sünden reinigen sollte”. Dieser Behauptung gesellt sich eine zweite, daß man sich bei diesem Haar „des güldenen Kalbes erinnert, so sie (die Juden) in der Wüste angebetet”. Hier knüpfen die Ausführungen Reiks an, die dahinzielen, im Gebetmantel und Gebetriemen das Totemtier zu erblicken und den Brauch, diesen Gebetmantel und diese Gebetriemen anzulegen, als eine Identifizierung mit dem Totem-Vater-Gott zu interpretieren.
Gegen diese Ausführungen könnte man einwenden, es sei gewagt auf eine Stelle eines zufällig zu Rate gezogenen Buches, dessen Verfasser es vielleicht an einer unmittelbaren Fühlungnahme mit dem rabbinischen Schrifttum ermangelte, derart verantwortliche Folgerungen bauen zu wollen, besonders nachdem man enttäuscht die autoritativ-wissenschaftlichen Quellen verlassen hat und jetzt erfährt, Lundius habe seine Erklärungen nur vom Hörensagen. Es scheint darum angebracht, die Lundius mündlich — wenn auch