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Als Beitrag zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung reproduzieren wir hier eine frühe Stimme zur Freudschen Lehre, sicher die früheste ihrer Art und jedenfalls die erste ausführliche Stellungnahme zu Freuds Entdeckungen. Bezeichnenderweise ist es nicht die Stimme eines Gelehrten, sondern die eines Dichters. Der (1912 als Burgtheaterdirektor verstorbene) feinsinnige Wiener Dichter und Kritiker Freiherr von Berger veröffentlichte am 2. Februar 1896 in der Wiener „Morgenpresse” ein Feuilleton „Chirurgie der Seele”, das die Besprechung der Breuer-Freudschen „Studien über Hysterie” darstellt. Wir lassen hier den Mittelteil des Feuilletons aus, das den Inhalt des Buches referiert, und geben die Einleitung und die abschließenden Ausführungen wieder.
Wenn ich mir eine rechte Freude vergönnen will, so lese ich Bücher, die mich eigentlich gar nichts angehen, deren Gegenstand und Inhalt weit abliegt von meinem eigenen geistigen Arbeitsfeld. Merkwürdigerweise erntet man aus solchen Büchern oft die besten und fruchtbarsten Anregungen gerade für das eigene Fach. So hat mir ein freundlicher Zufall vergangenen Sommer ein neu erschienenes nervenpathologisches Buch in die Hände gespielt, und seither ist selten ein Tag vergangen, an welchem ich nicht einen Abschnitt oder wenigstens einige Seiten desselben gelesen und wiedergelesen hätte. „Studien über Hysterie” ist der Titel des Buches; zwei bekannte, allverehrte Wiener Ärzte, Josef Breuer und Sigmund Freud, haben es geschrieben. Die Anziehungskraft, die es andauernd auf mich ausübt, entspringt nicht dem krankhaften Anteil, welchen Laien häufig medizinischen Studien entgegenbringen, noch einem besonderen Interesse für den Gegenstand, sondern meiner künstlerischen Empfänglichkeit, welche sich durch Inhalt und Form dieses Buches in mannigfaltiger Weise angeregt und befriedigt fühlt. Die gelehrten, streng wissenschaftlich gesinnten Verfasser mögen diese Weise,