You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Lesestück, das wir wiedergeben, ist das IV. Kapitel des I. Buches der berühmten „Essays”. Wir geben es nach der von Otto Flake und Wilhelm Weigand bei Georg Müller in München 1908 herausgegebenen, überaus sorgfältigen und würdigen deutschen Montaigne-Ausgabe wieder (der die Übertragung von Johann Joachim Bode zu Grunde gelegt ist). Montaignes Werk — und das soll auch das hier gebotene Lesestück erhärten — ist wohl qualifiziert, auf dem Lesepult des Analytikers für Mußestunden bereit zu liegen
Einer von unseren Edelleuten, welcher gar weidlich von Podagra mitgenommen ward, pflegte, wenn die Ärzte ihm sehr ernsthaft anrieten, sich alles Geräucherten und Gesalzenen zu enthalten, sehr spaßhaft zu antworten: er müsse etwas haben, woran er seinen Unmut über die schmerzhaften Anfälle der Krankheit auslassen könne, und wann er so zuweilen über die Mettwurst, zuweilen über geräucherte Zungen oder Schinken tobe, lärme und fluche, so fühle er doch einige Erleichterung! Spaß aber beiseite! Wenn wir unseren Arm zum Schlagen aufheben und doch auf nichts treffen, sondern nur in den Wind schlagen, so tut er uns selbst weh; und um eine schöne Aussicht recht angenehm zu machen, muß sie nicht ohne Grenzen in die leere Luft hinausgehen, sondern muß in erreichbarer Ferne Gegenstände haben, worauf das Auge ruhen kann.
„Wie der Wind in freier Luft seine Kraft verschwendet,
Wofern nicht dicke Stämme der Wälder ihm widerstehen.”
Ebenso scheint es, daß eine in Bewegung und Erschütterung gesetzte Seele sich in sich selbst verliere, wenn man ihr keinen Gegenstand der Beschäftigung gibt. Sie muß immer etwas haben, woran sie ihre Kräfte übt. Plutarch sagt, bei Gelegenheit solcher Personen, welche die kleinsten Affen