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Das „Institut für Geschichte der Medizin” an der Universität Leipzig hat im Wintersemester 1930/31 unter der Leitung von Prof. Dr. Henry E. Sigerist und in Arbeitsgemeinschaft mit der „Psychotherapeutischen Gesellschaft für Mitteldeutschland” eine auf sechs Abende verteilte Diskussion über Sigmund Freuds jüngste Schrift, „Das Unbehagen in der Kultur” veranstaltet. Der Diskussionsstoff war — in loser Anordnung der Disposition des Freudschen Buches folgend — in sechs Komplexe eingeteilt, für jeden wurde ein anderer Referent bestellt. Die einleitenden Referate der sechs Diskussionsabende sind soeben in Buchform erschienen: unter dem Titel „Das Problem der Kultur und die ärztliche Psychologie” im Verlag Georg Thieme, Leipzig (als Band 4 der Schriftenreihe „Vorträge des Instituts für Geschichte der Medizin an der Universität Leipzig”.)
In der Einleitung des Buches führt Prof. Sigerist aus, daß Freuds jüngstes geistvolles Buch, das an die Grundprobleme unserer Kultur greift, auf Schritt und Tritt zu Widerspruch reize, und daß es sich daher wohl verlohne, sich mit Freuds Anschauungen auseinanderzusetzen.
„Das religiöse Gefühl” behandelt der erste Referent, Prof. Dr. phil. et theol. Joachim Wach (Leipzig). In der historischen Einleitung dieses Referates heißt es u. a.: „Das dem Positivismus eigene und von der Aufklärung auf ihn überkommene unbegrenzte Vertrauen auf den Sieg des — in der wissenschaftlichen Bemühung sich durchsetzenden — Erkennens über die Reste religiöser und metaphysischer Spekulationen verbindet die Religionskritik Freuds mit der des historischen Materialismus, mit dem er entscheidende Voraussetzungen teilt.” Freuds Scientismus wird von Wach abgelehnt: „Ob der heute dem Greisenalter angehörende Denker verstehen kann, wie selten der jüngeren Generation sein Optimismus in bezug auf das wissenschaftliche Erkennen erscheinen muß?” Die jüngere Generation, bekennt Wach, ist „skeptisch hinsichtlich der nicht erkenntnismäßigen Funktion der Wissenschaft. Sie glaubt n